index

Alpentour Dreiländereck Italien-Österreich-Schweiz 2008

2008 sollte bzw. musste nach der erfolgreichen Premiere im Vorjahr zwangsläufig eine weitere Pässetour in die Alpen folgen. Diesmal entschied man sich für die Fahrt ins Schweizer Münstertal im Dreiländereck Schweiz-Österreich-Italien. Von Santa Maria im Kanton Graubünden aus galt es wieder einige benachtbarte Pässe zu erklimmen wie z. B. das berüchtigte Stilfser Joch. Für zwei der Sportler standen außerdem die Teilnahme am Tirol-West-Marathon und auch die Wiederkehr nach Hospental auf dem Programm.

Tag 1: Stilfser Joch

In der näheren Umgebung unseres Stützpunktes Santa Maria im Münstertal liegen einige der höchsten asphaltierten Passstraßen Europas. Zum Beispiel die dritthöchste, das Stilfser Joch (Passo dello Stelvio) mit 2758 Metern. 08alpen1 Just diesen Giganten hatten wir uns als "Einrolltour" vorgenommen. Nach kurzer Anfahrt ging es in Prad in den knapp 25 km langen Anstieg. Von hier aus lagen 48 nummerierte Kehren und fast 2000 Höhenmeter vor uns. Die Steigung blieb während des gesamten Anstiegs recht konstant bei ca. 8 %. Der erste Teil und ca. 20 Serpentinen, die als gute Orientierung dienten, verliefen durch relativ dichten Wald, wobei trotzdem der ein oder andere Blick auf die umliegenden Berge preisgegeben wurde. Die Passhöhe allerdings blieb den Sportlern lange verborgen, bis sich nahe der Baumgrenze in der Kehre Nr. 26 die berühmte Wand der Nordseite des Stilfser Jochs zeigte. Ein gigantischer, aber auch leicht furchteinflößender Anblick für jeden Rennradfahrer. 08alpen2Das Ziel mit den Augen fixiert ging es weiter bergan durch immer enger werdende Serpentinen, in denen es auch schon mal zum Stau mit Pkws oder besonders Bussen kommen kann.
Die niedrigen Temperaturen und der recht starke Wind ließen uns nach Erreichen der Passhöhe nur kurz dort verweilen und die Abfahrt über den benachbarten Umbrailpass in Angriff nehmen. Die Besonderheit beim Umbrailpass ist sein ca. 2,6 km langes, nicht asphaltiertes Teilstück auf halber Strecke. Bei schlechtem Wetter ist von einer Abfahrt wohl abzuraten.
Am Abend besuchten wir noch das Museum zum Ersten Weltkrieg in Santa Maria. Hier wurde anschaulich illustriert, unter welch unglaublichen Bedingungen die Soldaten der österreichischen, italienischen und schweizerischen Armeen in dieser lebensfeindlichen Umgebung Stellungen aufbauten und Krieg führten.

Tag 2: Ofen- und Umbrailpass

Wie auch an den kommenden Tagen wachten wir bei Sonnenschein und gutem Wetter auf und blickten zuversichtlich auf die anstehende Tour. Nach unserer Ankunft in der Herberge behinderten uns die regelmäßigen Gewitter gegen Abend kaum.
Nachdem wir das Val Müstair (Münstertal) am Vortag talabwärts verlassen hatten, orientierten wir uns heute aufwärts in Richtung Ofenpass.08alpen3Von Beginn an wurde sportlich gefahren und so war die Passhöhe über eine landschaftlich schön im Wald gelegene Straße schnell erreicht. Im Weiteren war eine Passage des Livigno-Tunnels per Shuttlebus vorgesehen, um dann in Italien Passo Di Foscagno, Passo d’Eira und zum Abschluss die Südseite des Stilfser Jochs zu befahren. Sehr zur Verärgerung der Gruppe war die schweizerische Transportlösung einer größeren Anzahl Radfahrer nicht gewachsen. Mit der Aussicht auf über eine Stunde Wartezeit entschloss man sich schweren Herzens den Plan zu ändern und zurück über den Ofenpass und als Alternative über den Umbrailpass schließlich erneut zum Stilfser Joch hinauf zu fahren. Von Sta. Maria (1375 M.ü.M.) galt es 1128 Höhenmeter bei 8,5% Steigung im Durchschnitt zu bewältigen. Auf den ersten 4 Kilometern betrug die Steigung bis zu 11%, weshalb man den Anstieg nicht zu schnell angehen sollte. Von der Passhöhe des Umbrail nahm man schließlich noch die verbleibenden 255 Hm. auf den letzten Kehren bis zum Stelvio mit. Mit dieser Variante wurden in etwa dieselben Höhenmeter und nur einige Kilometer weniger zurückgelegt als vorher geplant.

Tag 3: Bergtour Vertainspitze

Die Vertainspitze, höchster Gipfel des Laas-Marteller-Kammes nahe dem Ortlermassiv, war das Ziel am radsportfreien Tag. Mit dem Auto ging es zunächst nach Sulden, dem Wohnort von Reinhold Messner, mit 1700 m über dem Meer Ausgangsort der Bergtour.
Bis zum Gipfel auf 3545 m. waren also knapp 1850 Hm. zu steigen. Der Weg führte zunächst durch den immer lichter werdenden Wald schnell zur Baumgrenze auf ca. 2300 m. Hier traten erste Probleme auf, da die italienische Ausschilderung recht dürftig ausfiel.08alpen4Nach eingehendem Studium einer Panoramakarte an der Bergstation eines Sessellifts entschieden wir uns leider für den falschen Weg. Dieser Tatsache noch nicht bewusst stiegen wir weiter auf bis zu einem Gletschertor, wo wir mit einem Ehepaar aus Daun Landsleute trafen. Diese teilten uns mit, dass wir uns leider auf der falschen Route befänden. Wenig später waren dann auch keine weiteren Spuren eines Weges zu erkennen, was den Großteil der Gruppe zum umkehren zwang. Max Göke und Martin Reis versuchten noch eine geeignete Route zum Gipfel zu finden, mussten dieses Unterfangen allerdings alsbald erfolglos abbrechen.
Man hatte zwar eine interessante Wanderung mit gutem Blick auf zahlreiche Gipfel, unter anderem Ortler, Königsspitze und Zebru, doch saß die Enttäuschung tief, aufgrund eines solchen Missgeschicks keine Chance auf den Gipfel zu haben.

Tag 4 & 5: Gaviapass und Mortirolo/Vinschgaurunde

Zeit für die Königsetappe. Heute ging es mit dem Auto über den Umbrailpass nach Bormio. Von hier aus wartete eine Runde, die schon auf vielen Etappen des Giro d’Italia, so auch auf der 20. Etappe 2008, für Furore gesorgt hat. Auf den 120 km waren knapp 3300 Höhenmeter zu bewältigen. Als erstes Hindernis türmte sich der Passo del Mortirolo vor den Sportlern auf.08alpen5Mit 1852 m. ist er bei weitem nicht der höchste Alpenpass und kann beispielsweise mit dem zweiten Pass des Tages, dem Gavia (2618 M) nicht ansatzweise mithalten. Doch die extreme Steigung von durchschnittlich 10,3 % macht diesen berühmt berüchtigten Anstieg zu einem der härtesten in den Alpen. Mit diesen Tatsachen immer vor Augen, machte sich während der langsamen Anfahrt zum Steigungsbeginn in Mazzo große Nervosität und Schweigsamkeit unter den Sportlern breit.
Die große Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit taten ihr übriges, sodass sich eine beispiellose Quälerei hinauf zur Passhöhe entwickelte. Trotz kleinster Gänge stellten die extrem steilen Rampen, ohne Möglichkeit zur Erholung, so manchen Fahrer vor schier unlösbare Probleme. Zusätzlich Motivation boten die zahlreichen Namen der Profis auf der Straße und das Denkmal zu Ehren Marco Pantanis entlang des Weges.

Doch auch nach dem meistern dieser Herausforderung war keineswegs ausruhen angesagt, wartete schließlich noch der Gaviapass mit 1360 Höhenmetern auf 18 km. Schon während der  Anfahrt durchs Tal nach Ponte di Legno verhieß das Wetter nichts Gutes und drohte zu kippen.08alpen6Als nach einigen Kilometern Anstieg das Tal unser Ziel freigab, waren dort nur dunkelgraue, tief hängende Wolken zu erkennen und ab und an ein fernes Grollen zu vernehmen. Nicht gerade ermutigt wurde so die weitere Auffahrt in Angriff genommen, schließlich gab es keine Alternative. Auch der Gavia enthielt bis zu 16% steile Abschnitte auf der schmalen Passstraße, was den Athleten nach dem Mortirolo umso schwerer fiel.
Bis zur Passhöhe blieb es allerdings dann doch weitgehend trocken, was man von der Abfahrt leider nicht behaupten kann. Völlig durchgefroren erreichte die Gruppe nach einer nicht enden wollenden, 26 km langen Schussfahrt im Regen das Auto in Bormio.
Auf der Rückfahrt war schnell klar, dass das Programm am morgigen Samstag reduziert werden würde und nur eine kleine Ausfahrt zur aktiven Regeneration durchgeführt werden sollte. Diese führte uns auf lockerer Runde über Laatsch und Schluderns wieder nach Prad am Stilfser Joch und von dort zurück durchs Münstertal hoch nach Santa Maria.

Tag 6 & 7: Tirol-West-Marathon/Ruhetag

Nach der Abreise von 3 von 5 Alpentourern machten sich Martin Reis und Martin Schäfer Sonntags morgens um 4:30 Uhr von Santa Maria auf ins österreichische Landeck, wo an diesem Sonntag die erste Ausgabe des Tirol West Radmarathons ausgetragen wurde. Die Eckdaten: 222 km und 4400 Höhenmeter bei drei zu überwindenden Pässen (Bieler Höhe, Flexenpass und Hahntennjoch). Einen detaillierten Bericht findet ihr unter Aktive > Bilder und Berichte:

08alpen7

Nach Abschluss der Veranstaltung erfolgte am Abend der Transfer von Landeck in das 300 km entfernte Hospental, Ausgangspunkt der vergangenen Alpentour, wo man in den kommenden Tagen noch ein paar weitere Pässe befahren wollte.
Zur Erholung von den bisherigen Strapazen absolvierte man am folgenden Tag nur einige wenige Kilometer im Flachen und unternahm eine kurze Wanderung auf dem Gotthardpass. Rund um den „Lago della Sella“ gab es u. A. einige militärische Befestigungsanlagen aus früherer Zeit zu besichtigen.

Tag 8: Klausenpass

Relativ ausgeruht, aber mit großem Respekt vor der anstehenden Etappe ging es hinab durch die Schöllenenschlucht bis nach Altdorf (458 m.) am Fuße des Klausenpass. Obwohl nur 1948 m. hoch, waren auf Grund der niedrigen Ausgangshöhe immerhin 1490 Hm. bei durchschnittlich 6,1% Steigung zu erklimmen. Dichter Nebel und Sichtweiten von knapp 50 m. verwehrten einen Grossteil des Anstiegs den Blick auf das umliegende Panorama. 08alpen8Erst kurz vor der Passhöhe riss die Wolkendecke auf und gab die Sicht auf die imposanten Felshänge frei. Der kalte Wind auf dem Gipfel zwang zur raschen Abfahrt ins Tal, welche wiederum in dichtem Nebel eine besondere Herausforderung darstellte. Zu Erwähnen sei hier noch der kurze Halt in Bürglen, dem Geburtsort von Wilhelm Tell.

Wenig später ging es auf dem Hinweg wieder zurück in Richtung Urserental, bis wohin noch einmal knapp 1000 Hm. zu absolvieren waren. Verlief der Weg bis zum Ort Wassen noch überwiegend flach, stieg die Straße ab hier auf 9 Kilometern mit ca. 7,5% an. Als Vorteil stellte sich heraus, dass man die Strecke durch die Galerien der Schöllenenschlucht und über die Teufelsbrücke bereits aus dem Vorjahr kannte.

Tag 9: Susten-Grimsel-Furkapass

Zum großen Finale folgte man am letzten Tag den Spuren des Alpenbrevets über Susten-, Grimsel- und Furkapass. Anders als 2007 bot sich bei traumhaften Wetterbedingungen eine herrliche Kulisse in der Auffahrt zum Sustenpass. Die darauf folgende Abfahrt vorbei am berühmten Steingletscher nach Innertkirchen zählte daneben zu den Besten der gesamten Tour.
Nach kurzer Wasseraufnahme begann am Ortsausgang sofort die mit 26 km. längste Passauffahrt der diesjährigen Alpentour, die des Grimselpass. Zu Recht gehören die 1540 Hm. mit 6% Steigung zu den schönsten im Schweizer Alpenraum. 08alpen9Nach der Hälfte der Fahrt gibt das Tal den Blick auf die beeindruckende Staumauer des Räterichsbodensees preis, eine stetige Orientierung für den weiteren Aufstieg. Ist diese passiert, erblickt man während des kurzen Flachstücks entlang des Sees die Staumauer des höher gelegenen Grimselsees, nach deren Erreichen ist dann endlich auch die Passhöhe zu sehen. Ein Passfoto und zwei leckere Apfelkuchen später stürzte sich das Mayener Duo in die Serpentinenwand der Grimsel-Südseite und befand sich kurz darauf auf den verbleibenden knapp 700 Hm. der Tour hinauf zum Furkapass. Von Regen bisher weitestgehend verschont, zog pünktlich zum Kletterfinale ein Gewitter auf und vermieste so ein wenig die letzten Meter bis zum Ziel in Hospental. Durchweg nass, aber dennoch wohlbehalten, stieg man am Ende nach der glitschigen Abfahrt des Furka vom Rad. Stolz über die vollbrachte Leistung von insgesamt 811 gefahrenen Kilometern, 13 Pässen und ca. 19.000 Höhenmetern machte man sich am folgenden Tag auf die Heimreise nach Mayen.

Martin Reis

 

Aktuelles bei Twitter!

 

twitter


Alpentour 2009

> hier mehr


GPS-Routen Tour 2008

> hier mehr


Weitere Alpentouren

> hier mehr