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Ötztaler Alpentour, Österreich 2009

Zur dritten Alpentour brachen Martin Reis und Martin Schäfer ins Ötztal nach Österreich auf. Aus dem benachbarten Mittenwald stieß für ein paar Tage Max Göke hinzu und gemeinsam erkundete man erneut zahlreiche Pässe der Umgebung wie das Timmelsjoch oder die Kaunertaler Gletscherstraße. Eine Bergtour zur 3455 Meter hohen Kreuzspitze stand ebenso auf dem Programm wie ein Ausflug zur berühmten „Sella-Runde“ in den Dolomiten.

09alpentitel

Tag 1: Hahntennjoch zum Warmfahren

Den meisten Zweiradsportlern ist das Ötztal vor allem wegen des gleichnamigen Radmarathons ein Begriff. Der „Ötztaler“ hat sicher entscheidend zur Berühmtheit des kleinen österreichischen Tales beigetragen und gilt in Radsportkreisen als einer der schwersten und berüchtigtsten seiner Art. 09alpen1Jedes Jahr zieht es tausende Sportler aus der ganzen Welt in das österreichische Tal, um Pässe wie den Kühtaisattel und das berüchtigte Timmelsjoch zu bezwingen. Just diese Gegend hatten wir uns für die dritte Alpentour ausgesucht.     

Nach der teilweise von Stau begleiteten Anreise ins Ötztal bezogen wir zunächst das beschauliche Appartement in Gries bei Längenfeld, bevor am späten Nachmittag eine kurze, 60 km lange Einrolltour zum Hahntennjoch-Pass (1903 m) unternommen wurde. Mit Start in der Gemeinde Oetz rollten wir zunächst über Roppen und Brennbichl zum Fuße des Anstiegs in Imst. Das Hahntennjoch war uns bereits vom Tirol-West-Marathon bekannt, allerdings ging es damals nach bereits zwei gefahrenen Pässen und 170 km in den Beinen in der extremen Mittagshitze von der anderen Seite hinauf. Heute waren die Temperaturen angenehm warm und die Beine frisch, doch die Auffahrt von Imst sollte uns mit ihren knapp 1100 Höhenmetern auf 14 km schon einiges an Kraft abverlangen. Noch im Ort stand bereits die erste 15%-steile Rampe im Weg, der restliche Weg war mit durchschnittlichen 8% Steigung auch nicht gerade flach. Zunächst noch begleitet von Wald, führte die schmale Straße im oberen Teil durch eine karge, schroffe Felslandschaft und entlang eines tiefen, schluchtartigen Tales. Die eher unspektakuläre Passhöhe erreichten wir nach knapp 75 Minuten und machten uns wegen aufziehender Regenwolken alsbald auf den Rückweg.

Tag 2: Zu Besuch in Vorarlberg

Am zweiten Tag fuhren wir früh morgens mit dem Auto den Umweg zur deutschen Grenze nach Mittenwald, wo Max zu uns stieß, und im Anschluss direkt weiter nach Landeck zum Start der zweiten Tagestour. Von hieraus planten wir eine 170 km lange Runde durch Vorarlberg, über den Arlbergpass (1793 m) und die Silvretta-Hochalpenstraße (2032 m), welche uns ebenfalls schon vom Tirol-West-Marathon aus der Gegenrichtung bekannt waren.

In der moderat steilen Auffahrt des Arlbergpasses über St. Anton ließen wir es erst einmal ruhig angehen und genossen das herrlich warme Sonnenwetter. 09alpen2Nach dem obligatorischen Passfoto vor dem Arlbergrestaurant (an Stelle des leider nicht vorhandenen Passschilds) folgte eine kurze, schnelle Abfahrt und an der Abzweigung zum benachbarten Flexenpass (1773 m) beschlossen wir spontan, auch noch die restlichen 3 km zu dieser Passhöhe mitzunehmen. Durch eine Baustelle in den Galerien dauerte dieser kleine Umweg gut und gerne eine halbe Stunde, sodass wir uns nach kurzem Aufenthalt schleunigst in die Abfahrt nach Bludenz stürzten.
Entlang der Ill fuhren wir durch das Montafon bis nach Partenen, in spannender Erwartung des Anstiegs zur Silvretta-Hochalpenstraße.  Noch vor Beginn der eigentlichen Passauffahrt an der Mautstraße erhöhte Max das Tempo und eröffnete die Wettfahrt bis zur 15 km entfernten und fast 1000 Meter höher gelegenen Passhöhe. So blieb uns nur wenig Zeit zum Bewundern der zahlreichen steilen Serpentinen, die sich durch das enge Tal schlängeln. Schon bald erreichten wir ziemlich erschöpft den Vermuntstausee und einigten uns ab hier auf ein gemäßigtes Tempo für den Rest der Auffahrt. Nach etwas weniger als einer Stunde leuchteten vor uns der Silvretta-Stausee und die umliegenden Berghänge im Licht der Abendsonne. Zum guten Schluss ließen wir die Beine baumeln und genossen die traumhafte, über 50 (!) km lange Abfahrt von der „Bieler Höhe“ zurück zum Ausgangsort Landeck.

Tag 3: Kaunertaler Gletscherstraße

Ein Highlight der diesjährigen Tour stellte zweifelsohne die Fahrt zur Kaunertaler Gletscherstraße (2750 m) dar. Am Morgen des 15. August war keine Wolke am Himmel zu sehen und schon am Vormittag näherten sich die Temperaturen der 30 °C Marke. Bestes Radsportwetter also.
Wir begannen den Tag im Ort Piller mitten im Anstieg zur Piller Höhe (1558 m) und standen schon bald vor dem herrlichen Panoramablick auf das Inntal. In der anschließenden kurzen Abfahrt nach Flies trennten sich leider durch ein Missverständnis unsere Wege und ich fuhr getrennt von den beiden anderen hinauf zur Gletscherstraße, in der Hoffnung, sie alsbald wieder einzuholen. 09alpen3Bis zur Mautstation hinter Feichten (1287 m) verlief die Straße zunächst fast flach und ab hier begann der über 26 km lange Anstieg der eigentlichen Panoramastraße hinauf zum Weißseeferner in 2570 m Höhe.

Es dauerte nicht lange bis in der Ferne die steinerne Staumauer des Gepatschstausees (1765 m) auftauchte und über die ersten 10 Kehren (von insgesamt 29) führte die Straße auf Höhe des Sees und dann entlang des Ufers. Nach weiteren Kehren und hinter einer kurzen Senke schraubte sich der Weg nun durch roten Fels und lichten Nadelwald terrassenförmig in die Höhe. Immer wieder erhaschte man einen herrlichen Blick hinab zum Stausee oder in der Gegenrichtung zum beeindruckenden Gepatschferner, dem zweitgrößten Gletscher Österreichs (nach der Pasterze am Großglockner). Im oberen, von karger Felslandschaft geprägten Teil, ließen die Kräfte auf Grund der ständig hohen Steigung und der enormen Hitze langsam aber sicher nach und die Fahrt schien überhaupt kein Ende mehr zu nehmen. Die Passhöhe war erst hinter der allerletzten Kehre sichtbar, wo der Weißseeferner majestätisch ins Blickfeld rückte. Von Max und Reis war jedoch zur meiner großer Verwunderung keine Spur. Nach ihrer Ankunft ca. 20 Minuten später stellte sich heraus, dass wir uns nach der Abfahrt von der Piller Höhe unglücklicherweise am Straßenrand verpasst hatten und eine Panne an Reis Fahrrad das Einholen verhindert hatte.

Auf dem Rückweg am Nachmittag wurde im überwiegend sehr steilen Anstieg von Flies zurück zur Piller Höhe erneut durch Max das Tempo forciert und eine weitere Wettfahrt begann. Dies hatte zur Folge, dass ab sofort Ausreden über seinen angeblich „schlechten“ Trainingszustand ignoriert werden.

Tag 4: Bergtour zur Kreuzspitze

Auf der Suche nach einem geeigneten Wander- und Aussichtsberg für den radsportfreien „Ruhetag“ wurden wir mit der 3455 m hohen Kreuzspitze erst vor Ort fündig. 09alpen4Die insgesamt 7-stündige hochalpine Gipfeltour begann im Söldener Ortsteil Vent (1900 m) im Venter Tal, von wo aus 1600 m Höhendifferenz zu überwinden waren. Am frühen Mittag wanderten wir zunächst bei gemäßigter Steigung 8,5 km weit bis zur 600 m. höher gelegenen Martin-Busch-Hütte, immer geradewegs zu auf den berühmten Similaun-Gipfel (3599 m). Ab hier stieg der steinige Weg rapide an und führte uns im weiteren Verlauf zu einem flachen Hochplateau, von wo aus mehrere kleine Bergseen sowie die umliegenden Gipfel schon sehr gut zu sehen waren.

Zwei Schneefeld-Überquerungen später standen wir in ca. 3300 m Höhe einen steilen Bergkamm, wo eine gewisse Schwindelfreiheit von Nöten war. Von hier waren es schließlich nur noch wenige hundert Meter bis zum ersehnten, leider nicht sehr geräumigen Gipfel, wo uns ein grandioser 360°-Rundblick auf zahlreiche Dreitausender (z.B. die Ortlergruppe, die Fineilspitze (3.514m, Fundstelle des „Ötzi“), Weißkugel (3.739m)) und Gletschern (z.B. Hochjochferner) die Sprache verschlug. Nach verdienter Gipfelrast machten wir uns dann wieder rasch auf den Abstieg, denn allmählich zogen dicke Wolkenfelder auf, die die Sicht versperrten.
Fazit: Diese nicht allzu schwere Bergtour mit grandiosen Ausblicken kann man nur weiterempfehlen!

Tag 5: Sella-Runde in den Dolomiten

Nachdem uns Max am Abend zuvor wieder in Richtung Mittenwald verlassen hatte, planten wir zu zweit eine Fahrt in die Dolomiten. Als Startzeit für die berühmte „Sella-Runde“ hatten wir uns 11 Uhr ausgerechnet und für die Hinfahrt ins italienische Canazei über das Timmelsjoch, Bozen und den Karerpass 2,5 Stunden veranschlagt. Leider war unsere Prognose fernab der Realität und die unzähligen Touristen machten uns einen Strich durch die Rechnung. Wir erreichten Canazei nach einer 4,5-stündigen, von zahlreichen Staus unterbrochenen Odyssee. Zusätzlich genervt von der anstrengenden Parkplatzsuche im restlos überfüllten Tourismusort stiegen wir gegen 12:30 Uhr endlich aufs Rad und starteten den Tag mit der Auffahrt zum Passo di Pordoi (2239 m). Durch dichten Wald und später vor der Kulisse der zerklüfteten Kalksteinberge ging es unter blauem Himmel und bei heißen Temperaturen um 30 °C hinauf zu dieser ersten Passhöhe. 09alpen5Nach der anschließenden Abfahrt folgte sogleich der kurze, wenig spektakuläre Anstieg des Passo di Campolongo (1875 m), wo kurz nach der Passhöhe der zweite Plattfuß des Tages an meinem Rad repariert werden musste. Ziemlich genervt fuhren wir hinab nach Corvora und dann weiter zum dritten Pass, dem Grödner Joch (2121 m). Die etwas schlechte Laune verflog augenblicklich bei der grandiosen Aussicht auf die umliegende Bergwelt und der serpentinenreichen Straßenführung. Auf der anderen Seite des Jochs fuhren wir im Anschluss an eine kurze Rast direkt im Angesicht eines der riesigen Felsmassive in Richtung des Sella-Jochs (2244 m) und erreichten auch diese Passhöhe nach kurzer Fahrt. Wegen der vielen Pannen und der langen Anreise blieb uns jetzt leider keine Zeit mehr für die zwei weiteren geplanten Passauffahrten Fedajapass (2057 m) und nochmals Pordoi und wir entschieden uns, nur noch den nahe gelegenen Fedaja mitzunehmen. Steigungstechnisch nicht allzu schwer, dafür im oberen Teil aber mit erneut herrlichen Ausblicken (u.a. auf die Marmolada (3342 m), höchster Berg der Dolomiten) bestückt, bildete diese Auffahrt den Abschluss einer spektakulären Runde, die so wohl ihres Gleichen sucht. Einzig das extrem hohe Verkehrsaufkommen war etwas nervig, in den Sommermonaten ist diese Tour daher nicht unbedingt zu empfehlen.  

Tag 6+7: Ruhetag/Ötztaler Gletscherstraße

Zur Erholung nach der anstrengenden gestrigen Tagesetappe legten wir am 6. Tag der Tour einen Ruhetag ein. Ich fuhr eine kurze Regenerationsfahrt durch das Ötztal hinauf nach Sölden und zurück. Martin Reis befand sich in besserer Verfassung und lies es sich nicht nehmen, auch noch den Kühtaisattel (2017 m) mitzunehmen.
So ging es recht gut erholt am folgenden Tag auf die vorletzte schwere Etappe hinauf zur Ötztaler Gletscherstraße (2830 m). 09alpen6Einer kurzen Einrollphase im Tal folgten vom bekannten Skiort Sölden aus 14 konstant steile Kilometer mit durchschnittlich über 10% Steigung. Die Mittagshitze trug ihr Übriges zur schwierigen Auffahrt bei und so hatten wir besonders im unteren, sehr steilen Beginn mächtig zu kämpfen. In ca. 2000 m Höhe, vorbei an der Mautstation, konnten wir dann allmählich in der Ferne unser Ziel, den Gletscher des Rettenbachferner, ausmachen und hatten einen guten Orientierungspunkt für den weiteren Weg. Entlang eines Gletscherbaches kamen wir in zunehmend hochalpines Gelände und mit jedem Meter wurde die Höhenluft spürbar dünner. Über mehrere 12-14%-ige Geraden, verbunden durch nummerierte Kehren, ging es auf dem kleinsten Kettenblatt konstant steil nach oben, bis die Seilbahnstation am Rettenbachferner endlich erreicht war.
Hier war jedoch noch nicht Schluss. Durch einen ca. 1 km langen, „eisigen“ Tunnel gelangten wir nach ein paar Gletscherfotos zum „höchsten mit dem Rennrad erreichbaren Punkt der Alpen“ auf 2830 m Höhe. Große Feierstimmung aufgrund des Höhenrekords kam jedoch beim Anblick der riesigen Passbaustelle nicht auf, die uns den Blick auf den zweiten Gletscher, den Tiefenbachferner vermieste. So machten wir uns alsbald auf den Rückweg ins Tal.

Tag 8: Königsetappe: (Timmelsjoch x 2 + Jaufenpass) x Hitze = brutal

Als grandioser Abschluss und Highlight der Tour sollte die 146 km lange und mit 4700 Höhenmetern bestückte Etappe über drei berüchtigte „Alpen-Riesen“ führen. Mit der Vorwoche in den Beinen und daher einer gehörigen Portion Respekt und Erfurcht starteten wir schon am frühen Morgen in Sölden, um der angekündigten Hitze so lange wie möglich zu entgehen. Als erster Gigant wartete das berühmte Timmelsjoch (2509 m) auf uns und damit 22 km und 1269 Hm, die wir in ruhigem Tempo begannen. Vor der Kulisse des Ötztaler Hochgebirges mit zahlreichen schneebedeckten 3000ern arbeiteten wir uns immer weiter in die Höhe und trauten unseren Augen kaum, als wir unweit der Mautstation auf 2171 m Höhe eine Gruppe Mountainbiker mitsamt vollbesetztem „Kinderanhänger“ im Schlepptau überholten, die wohl ebenfalls den Pass bezwingen wollte.

Nach anschließender Fahrt über eine elend lange, zermürbende Gerade sowie den letzten 7 Kehren erreichten wir das Joch und begutachteten mit gemischten Gefühlen sogleich die später anstehende italienische Seite des Passes. Die Abfahrt nach St. Leonard verlief dann wie im Flug und so war am Mittag die Zeit für eine erste Rast gekommen. Das Thermometer stand mittlerweile bei geschätzten 35°C oder höher, die Hitze war fast unerträglich. 09alpen7Schnell füllten wir unsere bereits aufgebrauchten Wasserreserven auf und starteten dann noch im Ort zur Auffahrt des Jaufenpasses (2094 m). Abwechselnd durch Wald und Wiesenstücke verlief der erste Abschnitt recht ausgeglichen und bescherte uns schöne Blicke auf St. Leonard und das Tal. Nach etwas mehr als der Hälfte passierten wir die Baumgrenze und entdeckten hoch über uns die noch weit entfernte Passhöhe am Ende der eindrucksvoll durch den Berghang verlaufenden Passstraße. Beflügelt durch dieses Panorama gaben wir ein wenig Gas und standen schon bald strahlend neben dem Passschild.

Später zurück in St. Leonard mussten wir erneut „Wasser nachtanken“. Am Rande eines Hitzestaus begann nun die letzte, knapp 29 km lange Hürde der Timmelsjoch Ostrampe und wir einigten uns auf ein „Jeder für sich“ während der Auffahrt. Entlang schroffer Felswände, schluchtartiger Täler und durch einige Tunnels war nun „Beißen“ angesagt, denn mit jedem Meter bergauf verließen uns die Kräfte. Zum guten Schluss türmte sich der Furcht erregende Steilhang vor uns auf, lag glücklicherweise jedoch bereits im Schatten der untergehenden Sonne. Durch enge Serpentinen schraubte sich die Straße steil in die Höhe und mit buchstäblich allerletzter Kraft schafften wir es bis zum Passschild. Damit lag auch der letzte Bergriese hinter uns und das Ende einer traumhaften Tour war gekommen. Für das nächste Jahr ist bereits grob ein Besuch in Frankreich mit Leckerbissen wie Alpe d’Huez oder dem Col du Galibier ins Auge gefasst.

Martin Reis

 

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