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Alpentour Berner Oberland, Schweiz 2010

Zum vierten Mal ging es für eine Gruppe von Mayener Radsportlern auf Pässetour ins Hochgebirge. Max Göke, Martin Reis, Martin Schäfer und neu dabei Alexander Gödert brachen zusammen in die Schweiz auf, diesmal ins Kanton Bern nach Innertkirchen am Fuße des Susten- und Grimselpass. Von hieraus startete man zu mehreren Tagestouren, um die noch fehlenden Pässe in dieser Region endlich in der Liste abzuhaken. Unter anderem fuhr man entlang des Brienzersees nach Grindelwald, zur Eiger Nordwand und der Großen Scheidegg sowie die legendäre Runde Nufenen-Gotthard-Furkapass.

10alpentitel

Tag 1: Auftakt am Grimselpass und Oberaasee

Am frühen Sonntagnachmittag des 18. Juli tauchten vor uns am Horizont endlich wieder die heiß ersehnten Berggipfel der Alpen auf und bei der Anreise nach Innertkirchen über den  Brünigpass stieg der Adrenalinspiegel schlagartig in die Höhe. In den kommenden Tagen waren wieder lange Touren über zahlreiche Hochgebirgspässe der Schweiz geplant und alle freuten sich auf die bevorstehende Radsportwoche.

Nachdem wir unsere geräumige Ferienwohnung auf einem kleinen Hügel am Rande von Innertkirchen bezogen hatten, starteten wir zur ersten schnellen Tour zum direkt im Ort beginnenden Grimselpass (2165 m). Nur kurze, kleinere Hügel aus der Eifel gewohnt, verliefen die ersten Kilometer des Anstieges für uns noch etwas unrund, doch schon bald hatten wir uns wieder an die hohe Steigung und das endlos scheinende Bergauffahren gewöhnt und arbeiteten uns in relativ lockerem Tempo hinauf. 10alpen1Teilweise am Rande einer tiefen Felsschlucht schlängelte sich der Pass zunächst eng gen Himmel bis zum Räterichsbodensee, dann etwas offener und höher hinaus zum Grimselsee. Jedes Mal erwarteten wir bereits die Passhöhe, doch diese lag nochmals deutlich höher hinter mehreren weiten Serpentinen. Von oben hatten wir dann eine tolle Aussicht zurück auf die beiden Gebirgsseen, auf der anderen Seite lockte der Ausblick hinab zum Ort Gletsch und hinüber zu Furkapass und Rhonegletscher.
Das obligatorische Passfoto nicht vergessend folgten wir noch dem kleinen Seitensträßchen bis zum Oberaarsee und wurden mit spektakulären Ausblicken auf schneebedeckte Berggipfel und die Bergseen tief unter uns belohnt. Auf dem Rückweg ins Tal ließen wir es zum Abschluss ordentlich krachen und schafften auf der breiten Abfahrt locker Geschwindigkeiten von über 80 km/h.

Tag 2: Kaiserwetter am Susten- und Furkapass.

Der neue Tag verhieß schon am Morgen super Radsportwetter mit jeder Menge Sonnenschein, strahlend blauem Himmel und hohen Temperaturen. Passend dazu stand mit dem Sustenpass (2224 m) eine der wohl schönsten Auffahrten im Alpenraum als erste Tagesaufgabe auf dem Programm. Noch in Innertkirchen begann die 27 km lange Westrampe, im unteren Teil ging es zunächst durch bewaldetes Gebiet und kurze Felstunnel. 10alpen2Mit jedem Höhenmeter wurden die Ausblicke spektakulärer und vor dem Panorama des mächtigen Steingletschers stieg die schmale Straße schließlich in zahlreichen Serpentinen empor. Wir genossen jeden Meter des Anstiegs und erreichten nach knapp unter zwei Stunden die Passhöhe. Die Abfahrt nach Wassen lud dann wieder zu hohen Geschwindigkeiten ein und nach einem pflichtmäßigen Fotostopp auf halbem Weg in „Meien“ waren wir wieder ruckzuck im Tal.
Zeit zum Wassertanken war angesagt, bevor es die nächsten knapp 600 hm durch die Schöllenenschlucht (1447 m) nach Andermatt zu überwinden galt. Hier machten wir am Mittag erneut eine kurze Verpflegungspause, um für den noch ausstehenden Furka- und Grimselpass genügend Proviant dabei zu haben. Über das uns bekannte Hospental ging es weiter nach Realp zum Fuße des Furkapasses (2436 m). Martin Reis und Max Göke machten bei heißen Temperaturen von Beginn der Passstraße an mächtig viel Tempo, Alexander und ich konnten in den vielen steilen Kehren im unteren Teil schon bald nicht mehr folgen. Während Reis vorne uneinholbar davonzog, konnte ich im mittleren, flacheren Teil des Passes wieder einen guten Rhythmus finden und an Max vorbeiziehen. Zum Ende des Anstiegs verließen auch mich die Kräfte und ich schleppte mich nach rund 57 gefahrenen Minuten regelrecht zur Passhöhe. Wenig später erfreute die ganze Gruppe dann unweit des Passschildes das von uns schon öfters heimgesuchte, grandiose Panorama auf Furka- und Grimselpass und dem Beginn des Rhonetals am Rhonegletscher. Mit jeder Menge toller Fotos auf der Speicherkarte stürzten wir uns in die kurze Abfahrt nach Gletsch und drückten dann bei teils kräftigem Gegenwind die verbleibenden 6 Kehren der Grimsel-Südrampe hinauf. Zum guten Schluss der durch die drei Kantone Bern, Uri und Wallis führenden, 120 km langen Tour war dann abermals das verdiente Ausrollen über die schnelle Grimselabfahrt angesagt.

Tag 3: Königsetappe zur Eiger Nordwand.

Auch am dritten Tag zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite, genau passend für die anstehende Königsetappe zur Eiger Nordwand. Am frühen Vormittag starteten wir mit leicht schweren – der gestrigen Etappe geschuldeten – Beinen und erreichten über Meiringen den Brienzersee mit seinem markanten, türkisfarbenen Wasser. Bei gemütlicher Fahrt folgten wir hier der Straße entlang des Seeufers über Brienz und Niederried bis nach Interlaken, unterwegs zwang uns leider ein Plattfuß an Max Rad (übrigens der einzige während der Tour) zu einem kurzen Halt. Ab Interlaken gewann die Straße dann durch das enge Tal der Lütschine bis nach Grindelwald immer weiter an Höhe. Kurz vor Erreichen des von Touristen überschwemmten Ortes weitete sich das Tal schließlich und zum ersten Mal rückten die gigantische Nordwand des Eiger (3970 m) und die majestätischen Gipfel von Jungfrau (4158,2 m) und Mönch (4107 m) in unser Blickfeld.
Nach der ersten Verpflegungspause im Zentrum von Grindelwald trennten sich nun die Wege der Gruppe. Während Max, Martin und ich uns auf die extrem-steile Auffahrt zum Berghotel auf dem Männlichen-Gipfel (2343 m) machten, trat Alexander den direkten Weg über die Große Scheidegg (1962 m) zurück nach Innertkirchen an, der uns noch im Anschluss bevorstand. Die schwere Etappe am Vortag hatte ihm mehr als erwartet zugesetzt und einen zweiten schweren Pass wollte er sich heute nicht zumuten.


So fuhr unser Trio zum Fuße des Männlichen am Rande von Grindelwald und gleich auf den ersten Metern der schmalen Stichstraße überraschten uns Steigungsprozente von (ungelogen!) bis zu 30%, die wir nur mit knapper Mühe bewältigen konnten. Vor allem Martin Reis hatte wegen seiner großen Übersetzung gewaltig zu kämpfen, doch auch uns anderen war angst und bange ob der verbleibenden mehr als 13 Kilometer. An einem der kleinen Höfe entlang des Weges wurde uns dann zu allem Überfluss mitgeteilt, wir hätten den falschen und leider viel steileren Einstieg der Straße gewählt.
So fuhren wir unter der sengenden Mittagssonne kopfschüttelnd, aber auch mit einem kleinen Lächeln im Gesicht weiter. 10alpen3In vielen Schleifen entlang des Berghanges windete sich die Straße nun beinahe kontinuierlich mit über 10% Steigung im Schnitt und bis zu 17% im Maximum in die Höhe. Die Ausblicke auf das tief im Tal liegende Grindelwald und die schneebedeckten Gipfel des in unmittelbarer Nähe emporragenden „Dreigestirns“ wurden mit zunehmender Höhe immer eindrucksvoller. Die Euphorie stieg bei mir ins unermessliche und so trat ich mit aller Kraft in die Pedale und erhöhte das Tempo. Den Schlussabschnitt der Auffahrt mit konstanten 16% Durchschnittssteigung bezwang ich schließlich im Wiegetritt und befand mich ca. 75 Minuten nach Beginn des Anstiegs auf dem Hochplateau beim Männlichen-Berghotel. Mit den kurze Zeit später eintreffenden Max und Martin schob ich die restlichen, nicht asphaltierten Meter bis zum Gipfel des Männlichen, wo wir wegen der Fahrräder die verwirrten Blicke der Wanderer und Touristen auf uns zogen. Endlich auf der schmalen Bergspitze stehend überkam uns angesichts des 360°-Rundblicks auf die geballte Alpenpracht eine Gänsehaut. Meine gute Laune wurde dann leider durch eine große graue Wolke getrübt, die sich genau mit unserem Eintreffen auf dem Gipfel vor Eiger und Co. schob und so die erstklassige Aussicht und spektakuläre Panoramafotos etwas vermieste. Nichtsdestotrotz genossen wir jeden Augenblick an diesem unvergleichlichen Platz und machten uns schweren Herzens später wieder auf die Abfahrt nach Grindelwald.
Zum Abschluss des Tages auf dem Weg zurück nach Innertkirchen mussten wie bereits erwähnt auch wir noch die Große Scheidegg überqueren. 10 km und 927 Hm, dazu viele knackige Steilrampen, sollten uns nochmals alles an verbliebener Kraft abverlangen. Noch im Ort entschied sich Max, zum Angriff überzugehen und ich versuchte dranzubleiben. Martin Reis entschied sich an seinem letzten Radtag dieser Tour für die – falls dies überhaupt möglich war – „gemütliche“ Auffahrt.
Auf der für den Autoverkehr gesperrten, engen Passstraße legte Max nun ein enormes Tempo vor und schon bald konnte ich, der schweren Bergfahrt am Männlichen Tribut zollend, nicht mehr folgen. Die letzten Kilometer direkt unter der eindrucksvollen Wetterhorn-Nordwand (3692 m) wurden jetzt zur Qual, schwer keuchend und mit brennenden Muskeln arbeitete ich mich mit Tunnelblick bis zur Passhöhe vor, wo Max bereits triumphierend wartete. Ein letztes Mal in Richtung Eiger schauend rollten wir dann wenig später über die Bergkuppe und gemeinsam die nicht ungefährliche Abfahrt nach Innertkirchen hinab.

Tag 4: Radsportruhetag und kurze Bergtour zum Schwarzhorn

Für den radsportlichen Ruhetag hatten wir uns zur Besteigung einen kleinen Gipfel nördlich des Berner Dreigestirns ausgesucht, das 2928 m hohe Schwarzhorn, das als schöner Aussichtsberg in der Region bekannt ist und sowohl über einen alpinen Wanderweg als auch über einen nicht allzu schweren Klettersteig zu erreichen ist.
Mit dem Auto fuhren wir morgens zur Schwarzwaldalp auf halber Höhe der Großen Scheidegg. Hier war Schluss für den motorisierten Verkehr, einzig mit dem Postbus ging es weiter bis zur Passhöhe, wo der Wanderweg begann. Zunächst führte dieser ebenerdig über Almwiesen und an kleinen Gebirgsbächen vorbei und dann zunehmend steiler durch die Geröllfelder der Südwestflanke, den Blick ins Tal nach Grindelwald und auf die Nordwände von Eiger und Co. immer im Rücken. 10alpen4Kurz vor dem Einstieg in den Klettersteig auf 2520 m Höhe trennten sich unsere Wege und ich folgte alleine weiter dem Wanderweg über den Südostgrat bis zum Gipfel. Die anderen schnallten sich die am Morgen geliehenen Klettergurte um und begannen mit der Kletterei über in den Fels geschlagene Leitern und Drahtseile durch den Westgrat. Gut eine Stunde später stand ich auf dem unscheinbaren Gipfel inmitten einer dicken Wolkenschicht, die jegliche Aussicht versagte. Zwanzig Minuten später stießen auch die anderen hinzu und wir blieben noch einige Zeit zur Rast. Kurz vor dem Abstieg ließen dann auch einige Löcher in der Wolkendecke Ausblicke auf die umliegende Gebirgswelt zu, der Eiger rückte wieder ins Bild und auch der Thunersee war in der Ferne sichtbar. Der Abstieg über den Wanderweg gestaltete sich dann wenig spektakulär und wir fuhren mit dem letzten Postbus des Tages zurück ins Tal, wo einsetzender Regen unsere Schwimmpläne im Brienzersee für den Nachmittag vermieste.

Tag 5: Nufenen – St. Gotthard - Furkapass

Schon früh am Morgen machte sich Martin Reis auf die Heimreise bzw. unterwegs zu einer letzten kleinen Solo-Tour zum Glaubenbergpass auf (siehe unten), wir anderen starteten am frühen Mittag zu einer weiteren berüchtigten Runde durch die Innerschweiz, wie sie auch schon des Öfteren von den Profis der Tour de Suisse gefahren wurde (zuletzt 2005).
Mit dem Auto erfolgte die Anreise über den Grimselpass nach Gletsch, ab hier begann die Abfahrt mit dem Rad durch den unteren Abschnitt des Furkapasses nach Ullrichen. Mit dem Nufenenpass (2478 m) wartete jetzt die erste von drei Hürden an diesem Tag, entsprechend vorsichtig begannen wir die 14 km lange Bergfahrt. Es dauerte nicht lange, bis wir das erste, schon recht steile Teilstück durch die enge Felsschlucht hinter uns ließen und in den weiten Talkessel einbogen, der die eigentliche Westrampe einläutet. In Beschreibungen des Passes wurde ab hier immer wieder vor starkem Gegenwind gewarnt, der die Auffahrt enorm erschwert. Glücklicherweise war davon heute recht wenig zu spüren. So kamen wir gut voran auf der langen Geraden durch das Tal und steigerten allmählich immer mehr das Tempo. Weiter Oben sahen wir jetzt die vielen Kehren des Schlussteils und die sich dahinter bedrohlich auftürmenden Wolkenformationen, die Regen versprachen. In der Serpentinenpassage brachten Max und ich ordentlich Druck aufs Pedal, Alexander folgte mit dichtem Abstand. Hinter der ersten Kehrenfolge war jedoch noch nicht wie geglaubt Schluss, eine zweite Wand türmte sich dahinter auf, bevor die Passhöhe endlich erreicht war. Der Regen blieb glücklicherweise aus, wegen des starken und kühlen Windes blieben wir jedoch nicht lange hier oben.
In der weit gezogenen Abfahrt nach Airolo kamen wir in Sachen Speed dann wieder einmal voll auf unsere Kosten und konnten auch neue Kraft für die weitere Fahrt tanken.

Als nächstes war die Auffahrt durch das berüchtigte „Val Tremola“ (frei übersetzt „Tal des Zitterns“) zum St. Gotthardpass (2091 m) an der Reihe. Die unter Denkmalschutz gestellte alte Poststraße ist einzigartig im gesamten Alpenraum und zeichnet sich durch den rauen Kopfsteinpflasterbelag aus, der den Großteil des Anstiegs ausmacht. Im ersten Abschnitt wechseln sich noch Pflaster- und Asphaltbelag ab, später ist dann nur noch der alte Untergrund vorhanden. Unter Radsportlern ist die Straße durch das Hochtal schon zu einem echten Mythos geworden, gehöriger Respekt machte sich auch bei uns breit.
Bevor es losging, musste der Einstieg zur Auffahrt inmitten des dichten Straßengewirres in Airolo erst einmal gefunden werden, was gar nicht so einfach war. 10alpen5Endlich auf der Poststraße angekommen fuhren Max und ich von Beginn an recht zügig und wir ließen beim letzten asphaltierten Abschnitt mit der Einfahrt in das schluchtartige Tal den Blick auf Airolo hinter uns. 24 spektakulär übereinander liegende Kehren des eigentlichen Tals türmten sich über unseren Köpfen auf und wir arbeiteten eine nach der anderen mit gleichmäßigem Rhythmus und rüttelndem Lenker ab. Alexander stieß alsbald ebenfalls wieder hinzu und wir schossen zahlreiche Fotos auf dem Weg nach oben. Nach genau 53 min standen wir neben dem Passschild des St. Gotthard am dicht in Wolken verhüllten „Lago della Piazza“.
Die folgende Abfahrt auf der anderen Seite wurde zur schönsten und schnellsten dieser Tour. Mit bis zu 93 km/h jagten wir - zahlreiche Autos überholend - durch die weiten Kehren hinab nach Hospental und weiter nach Andermatt zur Verpflegungsaufnahme. Auf dem Weg nach Realp zum letzten Pass des Tages, dem Furka, erwischte uns dann ein starker Regenschauer und völlig durchnässt wurde uns mulmig beim Gedanken an eine Passüberquerung im Unwetter. Doch mit Beginn des Anstiegs zog der Regen wieder davon und wir mobilisierten unsere verbleibenden Kräfte. Deutlich schneller und leichter im Gegensatz zum zweiten Tag meisterten wir auch die letzte Hürde Furkapass und wurden mit Sonnenschein am Ende der Fahrt belohnt. Zurück am Ausgangspunkt in Gletsch waren wir voller Begeisterung über diese wahre „Klassiker-Runde“.

Tag 6: Große Scheidegg am Regentag

Der 6. Tag endete wie er begann…mit fast ununterbrochenem Starkregen und einer dichten „Wolkensuppe“, die bis hinab ins Tal reichte. Bereits mit dem Aufstehen prasselte der Regen vom Himmel nieder und machte die geplante Ausfahrt entlang des Brienzersees und hinauf zur Alp Grindel (1950m) zunichte. So verständigten wir uns, auf ein baldiges Ende des Regens hoffend, bis zum Mittag zu warten. Als gegen 14 Uhr endlich einmal der Regen aussetzte, beschlossen Max und ich, wenigstens auf der Nordseite zur Großen Scheidegg (1962 m) hinauf zu fahren und so für kurze Zeit dem drohenden Nachmittag vor dem Fernseher zu entgehen. Falls der Regen erneut einsetzen sollte, konnten wir ja wieder schnell auf dem Hinweg nach Hause fahren. Alexander ließ sich dagegen heute wegen des Wetters nicht zur Teilnahme bewegen und legte erneut einen Ruhetag ein.
Am Ortsausgang Meiringen begann der rund 17 km lange, steile Aufstieg zur Großen Scheidegg. Dank unserer dicken Regenklamotten und einer wechselnden Steigung von bis zu 14% und mehr floss uns schon bald der Schweiß ins Gesicht. 11alpen6Die Straße führte im unteren Teil abwechslungsreich durch den Wald und vorbei an Felsen, kleinen Gebirgsbächen und Wasserfällen. In der tief hängenden Wolkendecke wirkte die Gegend gottverlassen und nur ab und zu trafen wir auf eine Almhütte oder ein Gasthaus. Für kurze Zeit flach wurde es bei der Schwarzwaldalp auf ungefähr halber Höhe des Anstiegs und wir sammelten nochmals unsere Kräfte. Die Beine waren nicht mehr gerade frisch nach den vergangenen Etappen und die nun anstehenden Steilrampen und Kehren bis zur Passhöhe setzten unseren angeschlagenen Muskeln sehr zu. Im mittlerweile wieder einsetzenden, eiskalten Regen und im Angesicht des Wetterhorn-Massivs kämpften wir uns bis zum höchsten Punkt auf knapp unter 2000 Metern vor. Ein kurzes Beweisfoto später befanden wir uns dann schon wieder in der kalten Abfahrt, die durch die Nässe und den schlechten Belag nicht ungefährlich war. Ausgekühlt, aber dennoch heil kamen wir wieder in Innertkirchen an und waren froh, dem Wetter getrotzt und wenigstens eine kleine Tour unternommen zu haben.

Tag 7: Gelungene Abschlusstour zum Glaubenbergpass

Auch der letzte Tag versprach keine Wetterbesserung und es regnete wie schon tags zuvor in Strömen. Nichtsdestotrotz war meine Lust zum Radfahren ungebrochen und mittags war ich des Wartens auf besseres Wetter schließlich satt. Max und Alexander wollten statt einer Radtour zusammen in Richtung Sustenpass wandern und so den Tag nutzen, ich konnte beide jedoch letztlich zur Radtour überreden.
Über Meiringen fuhren wir dick eingepackt in Wintermontur und mit schwindender Motivation zum wenig spektakulären Brünigpass (1007 m) hinauf. In der kurzen Auffahrt verschlechterte sich das Wetter von leichtem zu starkem Regen und wir kamen völlig nass oben an. Trotzdem machen wir uns immer noch hoffnungsvoll auf die Abfahrt ins Kanton Obwalden nach Giswil und weiter zum Sarner See, wo das Wetter tatsächlich besser wurde. Bis zum Anfang des Glaubenbergpasses (1543 m) in Sarnen hatten sich die dichten Wolken weitgehend verzogen, wir waren wieder halbwegs trocken und die Laune besserte sich zunehmend. Im Anstieg hatte Alexander dann schon im unteren Teil einen plötzlichen Einbruch und kam nur schleppend voran. 10alpen7Max und ich blieben in der Nähe und motivierten ihn zur Weiterfahrt, denn schließlich war dies der letzte, ernstzunehmende Pass der Tour (den Brünigpass auf dem Rückweg zählten wir nicht als solchen). Recht steil schlängelte sich die breite Straße zunächst durch den Wald, später entlang von Almwiesen den Hang hinauf und immer wieder wurde der Blick auf den Sarner See tief im Tal frei. Alexander kämpfte sich verbissen Meter für Meter die in regelmäßigem Abstand aufkommenden, steileren Rampen hinauf und war froh, als das Hotel Langis endlich erreicht war. Hier wurde es wieder flach und wir glaubten bereits die Passhöhe erreicht zu haben, doch hinter einer Kurve im Wald ging die Straße noch zwei Kilometer weiter. Dann war aber tatsächlich Schluss und wir machten neben dem Passschild das letzte Gruppenfoto der Tour auf der gerade im Umbau befindlichen, unschönen Passhöhe.
Die Abfahrt zurück nach Sarnen hätte mal wieder zu hohen Geschwindigkeiten einladen können, wären nicht alle paar hundert Meter Weideroste in die Straße eingelegt worden, die uns zu großer Vorsicht und langsamer Fahrt zwangen.
Zurück in Giswil lagen die letzten verbleibenden Höhenmeter der Brünigpass-Nordseite vor uns und Max und ich ließen es zum Abschluss noch mal richtig krachen. Während Alexander in aller Ruhe die 12 km des Anstiegs hinter sich brachte, fuhren wir in Mordstempo den Berg hinauf und konterten gegenseitig einen nach dem anderen Angriff. Max bewies am Ende die größeren Reserven und konnte sich absetzten, bevor unser kleines Duell dann am Passschild zu Ende ging.
Dank des am Ende passablen Wetters fand die Tour mit dieser Etappe doch noch ihren würdigen Abschluss und wir waren alle froh, die Bedingungen bestmöglich genutzt zu haben. Insgesamt wurden während der Alpentour 2010 rund 570 km zurückgelegt, ca. 15500 Höhenmeter und 13 Pässe überwunden. Zurück blieben wieder zahllose Erinnerungen und jede Menge toller Bilder. Eine Fortsetzung ist schon so gut wie sicher.

Martin Schäfer

 

Teilbericht Solo-Touren Martin Reis

Die Alpentour 2010 lag für mich terminlich so schlecht, dass ich nicht über die ganze Zeit hätte teilnehmen konnte. Glücklicherweise hatte die Gruppe noch ein Bett frei und so entschloss ich mich kurzfristig an den ersten 4 Tagen teilzunehmen. Damit es sich lohnen würde plante ich noch 2 Tage vorher und den Abreisetag individuell zu gestalten. Von diesen Tagen handelt dieser Bericht. Also schnell noch Übernachtungen in der Jugendherberge in Hospental gebucht und auf gings. Als ich mich freitags früh morgens auf in Richtung Schweiz machte, hatte ich mir ein hartes Tagesprogramm vorgenommen:

Ich fuhr zunächst durch leider sehr dichten Verkehr bis Altdorf (Geburtsort von Wilhelm Tell) am Vierwaltstädter See genau am Fuße des Klausenpasses (1948 m). Tolles, fast zu heißes Wetter begrüßte mich. Im Tal war es deutlich über 30 Grad und sehr schwül. Leider musste man daher auch, wie in den nächsten Tagen, mit Hitzegewittern rechnen. Also schnell das Auto auf einem gut einsehbaren öffentlichen Parkplatz im Zentrum Altdorfs abstellen und dann los.
Die geplante Route über Pragel- und anschließend Klausenpass ist eine klassische Route, die sich aufgrund der Gegebenheiten vor Ort einfach anbietet. Die Eckdaten: 130 km und 3000 Höhenmeter. Das musste bei Start gegen 14:00 Uhr also noch vor der Dämmerung und am besten auch vor dem drohenden Gewitter geschafft werden.
Die ersten Kilometer verliefen absolut phantastisch auf einem Radweg entlang der Steilküste des Vierwaldstädter Sees. Leider ging den Straßenbauern dann irgendwann der Platz aus und man muss bis Brunnen auf einen schmalen Weg direkt neben einer sehr stark befahrenen Bundesstraße ausweichen. Bei Brunnen verlässt man die herrliche Kulisse des Sees und fährt nun in ein Seitental in den Ort Muothatal. Hier beginnt am Ortsende völlig unvermittelt der unglaublich steile Teil des Pragelpasses (1550 m). Angesichts der nun für einige Kilometer nicht unter 13 % fallenden Steigung mit Spitzen bis zu 18 % wird mir schnell klar warum der Pragel auch „Mortirolo der Schweiz“ genannt wird. Gott sei Dank wird es im oberen Bereich deutlich moderater. Einen tatsächlichen Vergleich von Mortirolo und Pragel halte ich, wie allen anderen Pässen und Touren, für schwierig, da bei jeder Passauffahrt etliche Faktoren außer Steigung und Höhe eine Rolle spielen.
Auf dem Pragel angekommen, gab es die letzte Möglichkeit der Umkehr aus Wetter- oder Zeitgründen, denn wenn ich erstmal die Abfahrt nach Glarus hinter mir hätte, stünde in jedem Fall eine Gebirgskette und damit ein schwerer Brocken zwischen mir und dem Auto. Trotz etwas bedrohlich wirkenden dunklen Wolken aus Richtung Süden (also genau aus Richtung Klausenpass) entschied ich mich zur Weiterfahrt, dafür war ich schließlich gekommen.
Während der gesamten Abfahrt und dem anschließenden leicht ansteigenden Tal in Richtung Klausen suchte ich nun nach einer Möglichkeit die Fahrradflaschen wieder aufzufüllen, aber Fehlanzeige. Ich passierte etliche Orte ohne Supermarkt oder Kiosk und Tankstellen gab es nur als Zapfsäulen mit Kartenbetrieb. Ich machte mir langsam Sorgen umso näher der Einstieg in den Klausenpass kam, denn eine Fahrt ohne Getränke dort hinauf, wäre wohl wirklich schwierig und vor allem sehr langwierig geworden. Ich wurde schließlich doch noch fündig und fiel mit trockener Kehle gierig über das überschaubare Sortiment eines kleinen „Tante Emma-Ladens“ kurz vor dem Passbeginn in Linthal her.

Von dieser Seite, der Ostauffahrt, gilt es 1300 Höhenmeter zu überwinden, die im Prinzip in zwei Etappen aufgeteilt sind. Das erste Teilstück verläuft noch im Wald und führt dann auf eine Hochebene, den Urnerboden. Hier ergeben sich dann, wie während der gesamten weiteren Ausfahrt tolle Ausblicke auf imposante Felsformationen, die das Hochtal umschließen. Der zweite Teil ist mit seinen vielen Kurven und Serpentinen dann zusätzlich auch von der Straßenführung her interessant. Von Regen bleib ich glücklicherweise während der Auffahrt und noch viel wichtiger auch während der Abfahrt zurück zu Willhelm Tell nach Altdorf verschont. In der beginnenden Dämmerung erreichte ich das Auto, womit der Tag allerdings noch nicht vorbei war. Ab jetzt musste ich mich durch die Blechlawinen des Reiseverkehrs, die sich vor dem Gotthard stauten (sowohl auf der Autobahn, als auch auf der Straße durch die Schöllenenschlucht) kämpfen. Erst um 21:30 Uhr erreichte ich nach einem wirklich anstrengenden Tag ziemlich müde die Jugendherberge.

Für den zweiten Tag hatte ich eine kurze Anfahrt mit dem Auto bis nach Tiefencastel in Graubünden geplant. Von dort sollte es über Albula- und Flüelapass gehen (insgesamt 125 km und 2800 Hm). Doch es kam anders. Die Anfahrt mit dem Auto über den Oberalppass, dann hinunter ins Rheintal und dann bis Tiefencastel über die Autobahn dauerte statt der geplanten 1,5 Stunden knapp 3 Stunden. Überall war enorm viel Verkehr bis hin zu einem Stau in Richtung Splügenpass und San Bernadino. Daher musste ich wohl oder übel auch für den Rückweg mehr Zeit einplanen. Erstmal wollte ich aber jetzt losfahren und so startete ich in Sursava etwas oberhalb von Tiefencastel. Zum Albula ging es vom Parkplatz an eigentlich nur noch bergauf und das immerhin über 25 Kilometer lang. Der Pass lässt sich in zwei Hälften teilen, die durch ein kleines Hochplateau bei dem Dorf Bergün getrennt werden. Bis dahin lief es bei mir noch nicht so richtig rund. Kurz vor Bergün wurde ich dann in kurzen Abständen von einigen sehr schnellen Radfahrern eines holländischen Teams überholt, bei denen ich immer wieder kurz ans Hinterrad hing. Hinter Bergün wird die Straße dann schmaler und die Passauffahrt schöner. Diese Umstände motivierten zusätzlich und damit lief es jetzt auch bei mir besser.  An der Passhöhe auf 2315 m fühlte ich mich gut und ich merkte, dass die Kraft auf jeden Fall für die geplante Route reichen würde. Die fortgeschrittene Uhrzeit machte mir hier aber leider einen Strich durch die Rechnung und so entschloss ich mich anstatt dem unbekannten Flüelapass wenigstens noch die ebenfalls unbekannte Ostanfahrt des Albulapass von La Punt aus zu machen. Kurz noch im Telefonat mit der Heimat rückversichert, dass die Auffahrt auch nicht zu lang sei, stürzte ich mich ins Tal. Die Abfahrt nach La Punt war nur 9 km und ca. 650 Hm lang und schnell hinter mich gebracht. Eine solche Tourenwahl, einen Pass von beiden Seiten an einem Tag zu befahren, hat den Vorteil, dass man bei der zweiten Überfahrt Streckenkenntnis hat. Entsprechend war der Anstieg von der Ostseite auch kein Problem und ich stand gegen 17:00 Uhr zum zweiten Mal auf dem Albulapass. Ich wurde oben schon von dunklen Wolken empfangen, die meinen Aufenthalt auf ein zeitliches Minimum mit dem obligatorischen Passfoto reduzierten. Trotzdem schaffte ich es leider nicht mehr annähernd trocken ins Tal. Noch immer deutlich über 2000 Metern Höhe setzte der Regen ein. Jetzt war also äußerste Vorsicht geboten, um einen Sturz zu vermeiden. Das gelang auch ganz gut. Dafür machte mir aber das starke Auskühlen zu schaffen. Ich musste sogar zwei Mal anhalten, um mich wieder aufzuwärmen. Ganz so schlimm wie vor 2 Jahren am Gavia war es nicht, aber ich war trotzdem heilfroh, als ich das Auto erreicht hatte. Die tatsächlich gefahrene Tour kam letztendlich auf 75 km und 2300 Höhenmeter, also nur wenig Höhenmeter weniger, als ursprünglich vorgesehen.
Am nächsten Tag konnte ich gemütlich aus der Herberge auschecken und erwartete für den Mittag die restlichen Alpentourer aus der Eifel, um mich ihnen dann anzuschließen.
Nach vier tollen gemeinsamen Tagen, musste ich dann auch wieder früher abreisen, wollte aber auch den Rückreisetag noch nutzen. So entschied ich mich für die in Deutschland etwas unbekanntere Runde über den Glaubenberg- (1543 m) und den Glaubenbuelenpass (1611 m). Trotz ihrer vergleichsweise geringeren Gesamthöhe muss man doch bei beiden ca. 1000 Höhenmeter bewältigen. Vor Ort erfuhr ich, dass der Glaubenbuelenpass wegen Bauarbeiten für eine Woche gesperrt sein würde. Somit blieb nur die reduzierte aber trotzdem schöne Abschlusstour entlang des Sarner Sees nach Sarnen, hinauf zum Pass und das gleiche retour. Diese Tour inspirierte einige Tage später auch die verbliebenen Mayener Radsportler wetterbedingt dorthin auszuweichen.

Martin Reis

 

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