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"Seniorentour nach Italien" (22.-26. Juni)

11bormiotitel

... dahin wo die Berge besonders steil sind

Skifahrer (namentlich bekannte und auch andere Ausnahmen sind hier ausdrücklich zugelassen!) sind nicht die besseren Radfahrer.
Doch wer sich wie Wolfgang Mai, Alois Engels, Martin Ehret, Andreas Gondorf und Manfred Stein auf den Weg in die Berge macht, bekommt schon kurz hinter Füssen, wenn`s über den Fernpass und wenig später über den Reschenpass `gen Süden geht eine Ahnung davon, dass  Skifahrer eine gewisse richtige Sicht auf die Dinge haben. Noch etwas später, als die schneebedeckten Bergkuppen signalisieren, dass die Welt nicht in 2500m Höhe endet, erkennt der genaue Betrachter schnell auch Liftanlagen und Passstraßen, die in schwindelerregenden Höhen an den Bergen kleben. Wintersportler haben es voll drauf, nutzen nach unten die Schwerkraft und bedienen sich bergauf der Liftanlagen. Das macht durchaus Sinn und bestätigt die schon genannte richtige Sicht auf die Dinge. Radfahrer sind da anders gestrickt! Ob es nun an der Dickköpfigkeit liegt, ob Radfahrer die Physik umkehren wollen oder irgendwelche anderen Dinge den Hang zum Radfahren begünstigen sollen andere ergründen. Unser Entschluß steht jedenfalls fest. An den folgenden Tagen wird geradelt…selbst als der Passo dello Stelvio sich schon auf dem Hinweg unserem Auto als bedrohlich lange Steigung entgegenstellte waren wir uns einig. Wie würden wir auch dastehen…jetzt so kurz vor dem Ziel zu kneifen!
Also haben wir es wie alle Radfahrer gemacht und uns schweißtreibend und am Ende auch erfolgreich Kurve für Kurve nach oben, der Schwerkraft entgegen, geschraubt.

Um zu unserem Quartier in Bormio (1225m) und gleichzeitig den Ausgangspunkt der Radltouren zu gelangen, führte uns unsere Anreise nach der Überquerung des Rechenpass hinunter nach Prato allo Stelvio (915m, Provincia Bolzano). Von dort den Stelvio hinauf. Bormio ist ein malerisches kleines Bergdorf am Fuße der westlichen Stelvioseite. Alois hatte uns ein wunderbares Hotel gleich am Skilift ausgesucht. Irgendwann kommen wir im Winter wieder und dann benutzen wir den Lift auch!

Nachdem uns auch am Vorabend der ersten Tour keine begründbaren Entschuldigungen für einen Rückzug in den Kopf kamen, wurden nicht mehr allzu viele Biere getrunken. Morgen müssen wir früh raus! Würde das Wetter mitspielen?

Weil Wolfgang uns die Touren mit Hilfe von allem technischen Schnickschnack vorbereitet hatte, glaubten wir zu wissen was auf uns zukam. Nach zu kurzem Einrollen am nächsten Morgen stand der Berg dann vor uns. Hatte man erstmal den Tritt gefunden ließen sich die vielen Kehren von der Südwestseiteauffahrt nach oben zum Stelvio gut fahren. Ganz hoch mussten wir nicht. Für uns war in 2503m ein Zwischenziel auf dem Umbrailpass erreicht. Die Luft wurde dort nicht nur dünner sondern gleich auch düsterer. Nach Kaffee und Kuchen sah die Welt in Richtung Abfahrt hinunter nach Sta. Maria ins Val Müstair (CH) ziemlich düster und nach Regen aus. Wo sollten wir sonst hin?...also warme Jacke an und runter. Vor allem Andreas führte uns auf dieser ersten Abfahrt seine Fahrkünste vor. Keine Frage, der wollte Erster werden. 11bormio1Manfred war runter Schlusslicht, was neben der Tatsache, dass man die Abfahrt länger genießen kann auch den Vorteil hatte, später in den Regen zu kommen. In Prato dello Stelvio, unten im Tal, hatten wir den vor uns herziehenden Regen dann endlich eingeholt. Und genau wie wir hatte er sich dann dort zum Lunch eingenistet. Blöd war, das der Regen dann dort blieb, stärker wurde und mit uns den Stelvio hinauf zog. Auswege gab`s wiedermal nicht, also nehmen wir die von dieser Seite noch größere Anzahl an Kurven wieder nach oben unter die Räder. So einen Berg wie den Stelvio muß man von beiden Seiten erfahren. Die Fahrt nach oben war kein Zuckerschlecken. Serpentinen, Rampen in dem bewaldeten Mittelteil und am Ende die bei Sonnenschein sicher wunderschönen Kurven hinauf zum 2757m hohen Paß. Wir hatten uns für einen Regentag entschieden, damit war der Aufstieg mühsam. Wegen der Aussicht hätten wir nicht hoch gemusst, die konnten wir am Vortag ja schon bei besserem Wetter genießen. Die Abfahrt runter zurück nach Bormio erforderte Konzentration und ergab kalte Finger. Abends dann zufrieden italienische Küche, Wein und etwas Bier.

2. Tag.
Diesmal nach Süden. Das Ziel hieß in 2618m Höhe diesmal Gaviapass. Die Auffahrt führt zunächst 13km entlang eines ungebändigten kleinen Flusses. Entsprechend hatten wir auch schon auf den ersten km keine romantische Fahrt im Flusstal, sondern ordentliche Steigungen zu meistern. Nach 13km dann Espressopause in Santa Caterina. Schon am Vortag hatten wir von unserem Wirt im Hotel gelernt, dass man solche Touren, zumindest solange man noch klar im Kopf ist,  nur für viel Geld machen würde. Wir bekamen nichts dafür! 11bormio2Noch schlimmer kam es dann als der Wirt in Santa Caterina unsere Route nach oben als die Anfängerseite bezeichnete. Nur weil Martin Schäfer mich nach der Rückkehr beruhigte und unsere Strecke als nicht minder schwer gegenüber des Aufstiegs aus Richtung Süden beschrieb, können wir wieder ruhig schlafen und sind mächtig stolz auf unsere Leistung.
Bis nach oben war der Weg dann lang, kurvig und vor allem so steil, dass auch Martin Ehret dahinter kam, dass sein kleinster Zahnkranz vorne nicht nur Deko ist.
Fast am Pass angekommen, schlängelt sich die Passstrasse doch noch ermüdend lange über die Hügel, um dann hinter einem kleinen See den Blick auf den eigentlichen Pass freizugeben.
Fotos, hausgemachte Minestrone und am Nebentisch wieder die holländische Radlertruppe, die schon am Vortag zeitgleich mit uns den Stelvio hoch ist.
Auf der Abfahrt dann entgegenkommende Einzelfahrer, jeweils mit Begleitfahrzeug und Nummer an den Rädern. Aus unserer Sicht erstaunlich schnell, sicher Profi`s! Die beste Zeit für die insgesamt 26km nach oben zum Gavia sollen übrigens, für uns unvorstellbare, kurze,  50Minuten sein.

3. Tag
Nachdem der 2. Tag erstaunlich gut lief, also auch am 3. Tag Berge. Diesmal mit etwas mehr Einrollen in nordwestlicher Richtung, also an den Rand von Italien, wo kurz hinter Livigno die Schweiz beginnt. Bis wir da in Livigno ankommen werden, sollte es diesmal noch hinauf auf den Passo di Foscagno (2291m) gehen. Von Bormio aus sind das im ersten Anstieg lächerliche 1066m Höhenmeter. Danach mit 10% nach unten um dann wieder nach oben auf den Passo d’ Eira (2209m) zu gelangen. Paolo hatte mir mal im Vorfeld gesagt: „das ist alles eine Art wellige Hochebene, gut zu fahren“. Entweder war der woanders, oder die Berge haben sich verändert. Uns kam es doch bergig vor. Dann hinunter nach Livigno. Da solls guten Apfelstrudel mit Sahne geben….und weils so schön war, die gleiche Strecke zurück.

Die Heimfahrt am Sonntag führte uns wieder über den Stelvio. Oben angekommen erfuhren wir dann auch, dass die Abfahrt wegen einer Radveranstaltung gesperrt ist. Hunderte Rennradler kämpften sich im Rahmen des Dreiländer-Giro nach oben. Darunter auch einige uns bekannte Gesichter vom Koblenzer Verein, die mit insgesamt 16!! Fahrern dabei waren. Bedenkt man, dass jeder Fahrer beim Dreiänder Giro auf 168km 3800Höhenmeter bewältigen muss, ist leicht vorstellbar, dass das keine Kaffeefahrt ist und man besonderen Respekt vor unseren Freunden vom Koblenzer Verein haben muss.

Für uns ging damit wieder eine Supertour zu Ende. Wir können nur jedem Radsportler empfehlen, einmal seine Kräfte an solchen Bergen zu messen. Auf Ski umsteigen kann man dann immer noch.

Saluti,

Manfred Stein 

 

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