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Kurztrip zur Tour de France 2011 (19.-22. Juli)

 

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Als die Route der Tour de France voriges Jahr im Oktober vorgestellt wurde, war unsere Unterkunft am Col de la Madeleine bereits gebucht. Da bereits zu diesem Termin bekannt war, dass die Tour auf dem Col de Galibier an diesem Tag enden würde, suchte Sinus Molinski sich diesen Zeitraum auch für unsere kurze Alpentour 2011 aus. Voller Motivation und mit „ein bissel Respekt“ vor den gewaltigen Bergen/Pässen in Höhen, die bis dato noch keiner von uns erklommen hatte (jedenfalls nicht mit dem Rad), machten wir (Julius, Sinus und ich) uns Dienstags auf den Weg in Richtung Alpen.

Während der geplanten 8-10h Autofahrt durch den Süden Deutschlands, der Schweiz, bis zu unserem Quatier in den französischen Alpen am Madeleine (Celliers Dessus) wuchs die Vorfreude immer mehr. 11tdf1Kaum in den Alpen angekommen wurde das Wetter schlechter. Es fing an zu regnen und es wurde deutlich kühler als am Morgen in Mayen, wo es sonnig warm war. Egal, da mussten wir durch. Endlich, nach knapp 9h Fahrt am Ziel angekommen, inspizierten wir erst einmal unsere Unterkunft für die kommenden 3 Nächte. Wir räumten das Gepäck in das spartanisch eingerichtete kleine Zimmer, was immerhin ein Badezimmer und einen Balkon zu bieten hatte. Wir machten Scherze über alles was wir sahen. Lustig ging es jedenfalls von Anfang an zu, auch schon während der nervenden Fahrerei zu vor. Alles gut verstaut, wollten wir gleich loslegen und den Col de la Madeleine (1993 m) erstürmen. Als dann beim Anziehen der Radsportmontur die Sonne raus kam, es aufhörte zu regnen und der Nebel sich verzog, ließ ich für mich überflüssige Dinge einfach im Koffer, was sich später rächen sollte. In kurzer Montur und immerhin mit Regenjacke ausgestattet, ein paar Riegeln und natürlich der Digitalkamera machten wir uns auch in kurzen Handschuhen auf den anfangs beschwerlichen, ungewissen Weg in Richtung Gipfel. 11tdf2Kilometer für Kilometer verging und wir hatten unseren Tritt gefunden. Ein Foto hier, ein Foto dort. Die Motivation schien grenzenlos. Doch dann fing es wieder an zu regnen. Regenjacke an und weiter ging es. Je höher wir kamen umso frischer wurde es und der Wind tat sein übriges dazu. 5km vor dem Gipfel oberhalb der Baumgrenze wurde es immer kühler und der Regen verwandelte sich langsam in Verbindung mit dem Wind zu Nadelstichen auf der Haut und im Gesicht. Nichts desto trotz war es immer noch angenehm warm aufgrund der Anstrengung. Noch 2km bis zum Gipfel, letzte Fotos von der Landschaft und von uns und weiter ging es. Julius und ich machten ein paar Sprints, um als erstes auf den Gipfel zu kommen, doch keiner wollte nachgeben. Oben angekommen und nach 2min warten auf Sinus machten wir bei nun einsetzendem Schneefall unser erstes Passfoto. Die Füße waren klitschnass aufgrund der fehlenden Überschuhe, die Hände waren bitterkalt von den kurzen nassen Handschuhen wie auch der Körper von der durchnässten Regenjacke. Nichts wie wieder runter zur Unterkunft.

Nach knapp 2km Abfahrt blieb Julius auf einmal stehen, ihm war so kalt, dass er es nicht mehr schaffte, die Bremse zu betätigen. 11tdf3Entsetzt schauten Sinus und ich uns an und Sinus machte sich auf den eisig kalten, verschneiten Rückweg, um das Auto zu holen. Julius wollte und konnte nicht mehr weiterfahren. Zum Glück hatte ich noch eine Rettungsdecke aus einem Verbandskoffer dabei, womit sich Julius einwickeln konnte, damit ihm wieder warm wurde. Minute für Minute verging und mir wurde langsam auch vom stehen kalt. Nach ca. einer Viertelstunde sahen wir ein Auto, das noch 4km entfernt war, auf uns zukommen. Ich sagte Julius, dass es die einzige Möglichkeit sei warm zu werden, in dem wir uns das Auto kapern. Gesagt getan hielten wir 5min später das Auto an und stiegen nach anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten in das Auto ein, wo wir nur von den beiden französischen Herrschaften entsetzt angeguckt wurden. Nach gefühlten Ewigkeiten und voller Angst, was mit Sinus jetzt wohl los ist und ob er sturzfrei runter gekommen und schon auf dem Weg zurück mit dem Auto sei sahen wir ihn dann mit dem Auto den Gipfel rauf fahren.
Fahrräder provisorisch befestigt und Heizung voll aufgedreht und den beiden Franzosen dankend, rasten wir wieder runter Richtung Quartier. Sofort unter die heiße Dusche verkrafteten wir erst einmal diesen Schock, was da oben passiert war. Der andere Tag solle nicht auch so werden. Erschöpft aßen wir abends das „eklige“ Abendessen und verabschiedeten uns ins Bett, um uns zu erholen.

Am anderen Tag stand der Col de la Croix de Fer (2067 m) auf dem Programm. Nach ausgiebigem Frühstück machten wir uns auf den Weg nach St. Jean de Maurienne, wo der beschwerliche Aufstieg anfängt. Zuvor noch schnell in einem Radsportgeschäft Proviant und Ausrüstung (lange Handschuhe/Überschuhe) gekauft, ging es dann auch langsam los. Noch schnell ein paar Happen Nudeln gefuttert, die Sinus für uns warm gemacht hatte (Danke an der Stelle), machten Julius und ich uns auf den langen Weg. 11tdf4Sinus hatte die Etappe am Tag zu vor noch nicht wirklich verkraftet und verzichtete lieber darauf, mit dem Rad mitzufahren und nahm das Auto. So konnten wir auch alles (Regenjacke/Nahrung) im Auto liegen lassen und mussten es nicht mitschleppen. Nach knapp 2h und einem flüssigen und runden Tritt den Berg hinauf standen wir auf dem Croix de Fer. Ein Passfoto, ein bisschen Smalltalk mit Deutschen, ging es auf der anderen Seite hinunter und auf den Col du Glandon (1924 m) hinauf. Schnell auch dort ein Passfoto gemacht ging es in die kalte Abfahrt bis nach La Lechere. Mit noch genügend Motivation in den Beinen und im Kopf fuhren Julius und ich in Richtung Col de la Madeleine zurück. Wir wollten noch etwas den Berg hinauf und dann mit Sinus und dem Auto bis zum Gipfel. Nach ungefähr 3-4km setzen wir uns erschöpft, aber glücklich, ins Auto. Am Pass angekommen wollte ich unbedingt die Abfahrt, die tags zu vor das Unheil brachte, hinunterfahren. Mit bis zu 80km/h knallte ich die kurvenreiche Abfahrt hinunter. Im Quartier wieder angekommen duschten wir uns erst einmal, bevor es zu einer Art „Picknick“ (Abendessen) ging.
Ein paar Dosen warm gemacht, ein Bier getrunken und nicht das eklige Essen aus der Unterkunft, machten wir uns wieder heim, um im Internet nach den vorläufigen Ergebnissen der Tour zu gucken.

Relativ früh ins Bett, mussten wir auch wieder früh raus aus den Federn. Frühstück, Auto, ab zum Col du Télégraphe (1566 m) und von dort aus weiter zum Col du Galibier (2646 m), dort die Touretappe gucken und wieder heimwärts, soweit der Tagesablauf für heute. 11tdf5Auf dem Hinweg nach Valloire den Telegraph hinauf sahen wir hunderte von Fans, die sich schon die besten Plätze mit ihren Autos, Wohnmobilen und Zelten sicherten, um die Tour andern Tags hautnah miterleben zu können. Viele Radfahrer prägten den Anstieg. In Valloire angekommen machten wir uns fertig, um den weiteren Anstieg in Angriff zu nehmen. Nach zügigen 1,5h waren wir am Tunnel des Galibier angekommen. Dort mussten wir zu Fuß durch, um auf der anderen Seite die Tour gucken zu können. Nach einer Tasse Kaffee und was zu Essen suchten wir uns einen Platz, von wo aus man die beste Sicht hatte. Genau zwischen der 2k und 1km Marke setzen wir uns auf einen Felsvorsprung, wo man die letzen knapp 3km sehen konnte. Nach einer weiteren Stunde warten war es dann endlich so weit. Andy Schleck bog um die Kurve und kam alleine den Berg hinauf. Zuvor hatten wir auch schon irgendwas mit „Schleck“ gehört, aber auf französisch und holländisch, aber dass er dann mit knapp 2,5min Vorsprung den Galibier hinauf fuhr wussten wir nicht. Als Andy an der 1km Marke umjubelt von tausenden Fans vorbeikam, machte ich ein Foto, auf dem man die Erschöpfung in seinem Gesicht sehn konnte. Als er vorbei war, stürmten wir wieder auf den Felsvorsprung zurück und sahen Evans und Co in der Verfolgung.

Dann sahen wir voller Schadenfreude Contador etwa eine halbe Minute hinter der Verfolgergruppe um Evans. Wir stürmten wieder zur Kilometermarke, um auch hier schöne Fotos zu machen und um zu jubeln. Dann wieder zurück auf den Felsvorsprung und wieder zur Kilometermarke ging es hin und her. Nach gut einer Stunde war das Spektakel dann auch vorbei und wir wollten den restlichen Gipfel rauf fahren, um ein Passfoto zu schießen. Doch der Tunnel war gesperrt, da die Werbekarawane und die Profis mit Begleitfahrzeugen durch mussten, um ins Tal zu gelangen. Dann kam uns die Idee auf die andere Seite zu gehen oder über die Absperrung zu springen, um die restlichen Meter zu bewältigen. Doch da kamen Hunderte den Berg hinunter, wo es sich dann sogar staute. Nach einer ganzen Stunde warten konnten wir dann endlich die letzen 800m auf der Strecke fahren, um das Foto zu machen. Oben angekommen wurden wir verärgert angeschaut, da die Tourdirektion die Zielaufbauten abbauen ließ und wir so im Weg standen. Wir wurden aufgefordert runter zu fahren, aber das wollten wir nicht. NICHT OHNE PASSFOTO. 11tdf6Doch das Schild des Galbier war nicht zugänglich, sodass wir dann ein provisorisches Foto am Zaun des abgesperrten Gebietes machten. Etwas verärgert ging es in die Abfahrt. Zum Teil waghalsig und ohne jegliches Verständnis für Andere krachten ein paar den Berg runter. Überall liefen Zuschauer, die den Weg zu ihren Wohnmobilen und Zelten zu Fuß zurücklegten. Mitten auf der Straße liefen Hunde und Kinder, fuhren Leute im Rollstuhl den Berg abwärts und dann noch hunderte von Radfahrern. Uns gelang es aber trotz allem sturzfrei nach Valloire zurück zu kommen. Von dort aus noch schnell auf den Telegraph zurück, um ein Passfoto zu machen, hängten Julius und ich uns an eine Gruppe Radfahrer, die sehr schnell fuhren. Cool, wir fuhren so eine Art Rennen, da die ganze Zeit einer der drei angriff, um uns wieder los zu werden. Julius gewann letzten Endes sogar den Sprint am Gipfelschild vor dem etwa 20 Jahre älteren Begleiter. Gut gemacht. Ein schönes und letztes Foto mehr in der Tasche machten wir uns zur späteren Stunde wieder heimwärts. Noch schnell im „Mäcces“ Kalorien inhaliert und in der Unterkunft angekommen, direkt das Ergebnis im Internet nachgeschaut. Noch ein paar taktische Gespräche über den folgenden Tag, wo die Tour dann Alp d’Huez erklimmen würde, ging es dann auch schon wieder ins Bett.

Andern Tags hieß es um 7 Uhr: der Wecker und die Heimat rufen. Geduscht, alles eingepackt und ins Auto verstaut, ausgecheckt, die Heimfahrt kann beginnen. Nach wiederum 8h Autofahrt und einem Besuch im „Mäcces“ an einem Autohof, kamen wir alle heil zu Hause an.

Fazit: Die Tour in den Alpen zu gucken ist ein wahres Erlebnis. Die vielen Pässe mit dem Rad zu erklimmen ist ein wahrer Traum. Dennoch sollte man auch Ende Juli auf alle Wetterlagen (Schnee, Regen, Hitze usw.) vorbereitet und mit genügend Ausrüstung unterm Arm unterwegs sein. Die Unterkunft war gemütlich, aber das Essen war leider schlecht. Uns hat es jedenfalls sehr viel Spaß gemacht und die Erfahrungen und Erlebnisse werden bei uns wohl noch sehr lange in den Köpfen gespeichert sein. Wir werden so was auf jeden Fall wiederholen. Danke auch an Sinus, der das alles schon im Voraus so geplant hatte und mich mitgenommen hat

Julian Hallfell

 

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