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Werra-Tour 2015

Glück auf, der RSC Mayen kommt!

Radsportler suchen das Salz in der Suppe

„Wo Werra sich und Fulda küssen, Sie ihre Namen büßen müssen, und hier entsteht durch diesen Kuss, Deutsch bis zum Meer, der Weser Fluss.“ Diese Inschrift des Wesersteins in Hannoversch Münden charakterisiert sehr gut die diesjährige Flusstour des RSC Eifelland Mayen. Mit Werra und Fulda wurden von Organisator Thomas Eggen im Jubiläumsjahr des RSC für die traditionelle Flusstour dieses Mal gleich zwei „komplette“ Flüsse auserkoren.

Nahe des Örtchens Masserberg im Thüringer Schiefergebirge starteten zwanzig RSCler zunächst kurz bergauf zur Rennsteigwarte auf dem Eselsberg (841 m) und von dort direkt weiter zu den beiden Werraquellen. 15fluss1Eine schnelle Abfahrt führte die Radler ins Werratal über Hildburghausen und Meiningen ins erste Tagesziel Bad Salzungen. Die hochsommerlichen Temperaturen, welche sich während der gesamten fünftägigen Tour hielten, luden die Mayener dort zum Sprung ins kühle Freibad direkt neben der Jugendherberge ein.

Der zweite Abschnitt stand ganz im Zeichen des weißen Goldes: Salz. Dabei standen die „Salz-Sehenswürdigkeiten“ in denkbar großem Kontrast. Bad Salzungen trägt das Salz im Namen und verdankt ihm auch den Titel Kurstadt. Die Mayener besuchten hier das alte Gradierwerk, genauso Heimstätte der historischen Salzgewinnung wie des modernen Kurbetriebes zur Entspannung und Heilung der Kurgäste. Nur wenige Kilometer weiter ragen weithin sichtbar die Fördertürme des industriellen Kalibergbaus gen Himmel. Das Werra-Kalirevier ist das größte Deutschlands und Hauptrevier des größten Salzproduzenten der Welt, dem DAX-Konzern K+S.

In Merkers fuhren die RSCler in das Erlebnisbergwerk ein und unternahmen eine gut 20 km lange LKW-Rundfahrt in bis zu 800 m Tiefe (gemessen ab der Oberfläche). 15fluss2Anfangs noch skeptisch ob der langen Führung von immerhin drei Stunden, wich diese Skepsis schnell der Begeisterung angesichts der beeindruckenden und mitunter rasanten Tour unter Tage. Die Mayener lernten viel über den Bergbau und dessen Entwicklung, bestaunten die riesigen Maschinen und fühlten sich beim Steigerlied mit Helm und Bergkittel schon fast selbst wie Kumpel. Doch das Erlebnisbergwerk wartete noch mit anderen Höhepunkten auf: Eine große Lagerhalle, welche heute als Konzertsaal mit einmaliger Akustik dient, eine weltweit einzigartige Kristallgrotte, einst zufällig bei Bohrungen entdeckt, und nicht zuletzt ein immenser Goldschatz. An einem der Haltepunkte erkannte die Gruppe George Patton und Dwight Eisenhower, die im April 1945 in die Grube einfuhren. Grund dafür war die Entdeckung des Gold- und Kunstschatzes der Deutschen Reichsbank, den die Nationalsozialisten hier in Sicherheit gebracht hatten.

Noch ein gutes Stück Wegstrecke blieb der Salzbergbau den Radlern präsent. Die gigantischen Abraumhalden von Heringen und Philippsthal (auch Mote Kali oder Kalimandscharo genannt) leuchteten weiß über dem Werratal auf dem Weg in die Wartburgstadt Eisenach. Für die Übernachtung in der Lutherstadt wurde die Werra kurz „links liegen gelassen“, ehe man am Folgetag wieder ihre Nähe suchte und das Dokumentationszentrum zur deutschen Nachkriegsgeschichte in Wanfried besuchte. Während der zweiten und dritten Etappe überfuhr die Radlergruppe mehrmals die ehemalige innerdeutsche Grenze. 15fluss3Passend zum 25-jährigen Bestehen der Deutschen Einheit beschäftigten sich die Mayener in der ehemaligen Grenzstadt Wanfried (Hessen) mit der deutschen Teilung. In einer Führung wurde besonders auch die Situation an der Grenze und dem Todesstreifen erläutert.

Nach der Mittagsrast in Eschwege trennte sich die Gruppe und ein Erkundungstrupp machte sich auf die Suche nach Frau Holle, die dem Märchen nach auf dem Hohen Meißner (756 m) beheimatet sein soll. Trotz größter Anstrengungen beim steilen Bergzeitfahren auf den Gipfel blieb die Fahndung jedoch leider erfolglos. Bei der Schussfahrt zum Tagesziel im „Fachwerkjuwel“ Hannoversch Münden erreichte die Sportler unglaubliche 100 km/h. Im krassen Gegensatz zu dieser wahnwitzigen Geschwindigkeit stand die Stadtführung durch die beschaulichen Gassen, gesäumt von hunderten Fachwerkhäusern.

Mit der „Drei-Flüsse-Stadt“ war auch ein markanter geographischer Punkt der Radreise erreicht. In der im niedersächsischen Weserbergland gelegenen Stadt vereinigen sich wie eingangs beschrieben Werra und Fulda zur Weser. Mit diesem Zusammenfluss war also die Werra „geschafft“ und die RSCler unternahmen fast eine 180 Grad-Wende, um nun der Fulda flussaufwärts bis zu ihrer Quelle zu folgen. Auf die Eifelländer wartete am vierten Tag die längste Etappe (120 km) - ein Glück, dass es zum Frühstück eine besondere Stärkung in der umgebauten mittelalterlichen St. Aegidien-Kirche gab. So wurden von Anfang an „Meter gemacht“. 15fluss4Man ließ schnell Kassel hinter sich und erreichte nach zwei ausgiebigen Pausen in der Bartenwetzerstadt Melsungen und Rotenburg an der Fulda das letzte Nachtquartier direkt am Kurpark in Bad Hersfeld. Über die AG „Zehn Deutsche Festspielorte“ ist Mayen mit Bad Hersfeld verbunden und so war es selbstverständlich, dass die Mayener auch der Stiftsruine einen kurzen Besuch abstatteten.

Die Schlussetappe hatte es dann noch einmal in sich, schließlich kam das „dicke Ende“ buchstäblich zum Schluss. Nach der Mittagsrast in Fulda stieg der Radweg nun zunehmend an und so erreichten die Radler Gersfeld in der Rhön. Von hier aus wand sich die Straße zum Schlussanstieg auf Hessens höchsten Berg, die 950 m hohe Wasserkuppe, an deren Gipfelflanken die Fulda entspringt. Oben angekommen genoss die Gruppe den wohlverdienten Ausblick. Fast konnte man auch den Startpunkt der Tour erblicken. Schließlich lagen durch die ungewöhnliche Routenführung nur knapp 80 Kilometer zwischen Start und Ziel. Die Mayener legten indes rund 530 km zurück, sicher eine der bisher sportlich anspruchsvollsten Flusstouren des RSC Eifelland.

Martin Reis

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