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MTB-Tour Lake Taupo - Neuseeland

19.01.2013 - Mit dem Rad auf Neuseelands Nordinsel unterwegs

Pünktlich mit dem ersten Schneefall Anfang Dezember in Deutschland verabschiedete ich mich in Richtung Neuseeland am anderen Ende der Welt, um meinen sechsmonatigen "Work and Travel"-Aufenthalt in Angriff zu nehmen. Nach 24 anstrengenden Flugstunden und einem kurzen Zwischenstopp in Südkorea erwarteten mich vor Ort in Neuseelands größter Stadt Auckland sommerliche 25 Grad und Nieselregen. Das Wetter war noch nicht ganz perfekt, sollte sich aber schon bald zum Besseren wenden.
Um den langen Aufenthalt finanzieren zu können, begab ich mich sogleich auf Jobsuche in der Landwirtschaft und fand nach einigen Tagen Gelegenheitsarbeit auf einer Kiwi-Plantage bei Tauranga, ca. 200km östlich von Auckland gelegen. Vier Wochen lang durfte ich nun beinahe täglich die Kiwibäume der unzähligen Plantagen zurechtschneiden, ein echt langweiliger, aber immerhin halbwegs ordentlich bezahlter Job! Mitte Januar ging es dann mit recht gut gefülltem Portemonnaie weiter Richtung Süden, unter anderem zum Lake Taupo im Zentrum der Nordinsel. 13taupo1Dort blieb ich für knapp eine Woche, um in der Region etwas zu entspannen, mehrere kurze Wanderungen sowie eine Mountainbike-Tour zu unternehmen. Von dieser Tour werde ich im Folgenden berichten.

Rund um den Lake Taupo gibt es viele Möglichkeiten, um als Wanderer oder mit dem Rad aktiv zu werden. Eine davon bietet sich im Mountainbike-Trailpark mit dem abenteuerlich klingenden Namen "Craters of the moon", der nur knapp eine Stunde entfernt mit einem Netz von über 50 km leichter bis schwerer Singletrails aufwartet. Als Radsportler durfte ich mir dies natürlich nicht entgehen lassen, zumal es in meinem gemütlichen Backpacker-Hostel in Taupo die Möglichkeit gab, Mountainbikes einen ganzen Tag für günstige 20$NZ (ca. 15,-Euro) auszuleihen. 
Eines Morgens machte ich mich dann bei herrlichen Wetter mit einem recht abgenutzten, aber doch ordentlich funktionierenden Gefährt auf den Weg. Entlang des Waikato Rivers bzw. ab dessen Mündung in den Lake Taupo,schlängelte sich ein schmaler Pfad durch eine teilweise urzeitlich anmutende Waldlandschaft voller Palmen und Farne. "Fast so wie in Kürrenberg", stellte ich schmunzelnd fest. Nach knapp 5 km erreichte ich die "Huka-Falls", einen rauschenden Wasserfall an einer engen Stelle des Waikato und Tummelplatz einer Heerschar von Touristen. Um mich herum waren scheinbar alle Sprachen dieser Welt zu hören und hier und da großes Staunen über die Kraft des tosenden Wassers. Mich ließen die Fälle jedoch eher unbeeindruckt, da ich immer den Rheinfall in Schaffhausen während unserer vergangenen Ferientour mit Thomas Eggen vor Augen hatte. Dieser war doch deutlich beeindruckender und vor allem weitaus größer.

Ein paar Erinnerungsfotos später ging es schleunigst weiter zum Trailpark ganz in der Nähe. Auf einer Karte hatte ich mir bereits eine längere Route zusammengestellt, die den gesamten Park einmal umrundete und später noch die ein oder andere Schleife im Zentrum beinhaltete. Insgesamt schätzungsweise 40km an Singletrails. Die Planung verlief recht einfach, da alle Wege an unzähligen Stellen miteinander verknüpft waren und man sich so nach Lust und Laune seine Wunschstrecke basteln konnte.

Den Anfang machte ich auf einem als Leicht eingestuften Trail, um die Schwierigkeit der übrigen Wege einschätzen zu können. 13taupo2Der breite Weg glich einer Waldautobahn ohne Hindernisse, kein Problem also für mich und eher gemacht für totale Anfänger. Trotzdem hatte ich meinen Spaß und kam auf dem schnellen Untergrund gut voran. Der erste Abzweig auf einen schwereren Trail war denn auch bald erreicht. Nun ging es wie auf einer Achterbahnfahrt durch unzählige Kurven und Windungen hinein in einen Nadelwald. Kleinere Wellen und Wurzelstellen wechselten sich ab mit schnellen Passagen - Fahrspaß pur und genau das, was ich mir erhofft hatte. Das Ende dieses Teilstücks kam dann aber ziemlich abrupt, als ein knapp 2km langer Anstieg erklommen werden musste. Hier merkte ich zum ersten und nicht letzten Mal an diesem Tag, das meine Kondition sehr zu wünschen übrig ließ. Ich hatte ja die letzten Monate nicht trainiert und befände mich ja zurzeit eigentlich in der Wintersaison. So kam ich bergauf nur schleppend voran und musste mich in den Steilpassagen zum Ende hin richtig verausgaben. Die Mittagssonne tat dazu ihr übriges und trieb mir den Schweiß in Strömen ins Gesicht.

Keuchend und außer Atem hievte ich mich bis zum Hochpunkt der Auffahrt und genoss im Anschluss die rasende Abfahrt zurück ins Tal. Der schönste Teil meiner heutigen Tour folgte sogleich, als sich der Trail wiederum in dichtem Nadelwald, über kleine Holzbrücken und durch schier endlose Kurvenkombinationen schlängelte. An Hügeln und Wellen konnte ich immer wieder Schwung holen, kleinere Sprünge absolvieren und musste das Rad nur laufen lassen. Einfach genial!

Am frühen Nachmittag lag die äußere Runde des Parks und der größte Teil hinter mir. 13taupo3Zum Ausklang versuchte ich mich noch auf einigen schwierigen Passagen im Zentrum, wobei ich in einer steilen Abfahrt beinahe die Kontrolle verloren hätte und nur knapp einen Sturz verhindern konnte. Vor lauter Spaß und Nervenkitzel war ich wohl etwas zu übermütig und schnell unterwegs, es lief jedoch alles gut.

Kurz bevor ich die Heimreise nach Taupo antreten wollte, viel mir dann noch ein, dass ich weder irgendwelche Mondkrater, noch die dampfendenden Geisire gesehen hatte, die dem Park seinen Namen gaben und in den Touristen-Broschüren angekündigt wurden. Es stellte sich wenig später heraus, dass diese nicht von den Trails aus zu sehen oder zu erreichen waren, sondern abgeschirmt neben dem Park lagen und nur über einen Fußweg zu bestaunen waren. Etwas misstrauisch bezahlte ich die verlangten 6$NZ und hoffte, ein paar der dampfenden Quellen und die in grellen Farben schimmernden Vulkankrater vor die Linse zu bekommen. Die angekündigte Mondlandschaft stellte sich dann leider so gar nicht als solche heraus und außer ein paar Dampfwolken und kleinen Kratern war nicht wirklich viel zu sehen. Letztlich war mir dies aber völlig egal, denn der Trailpark hatte alle meine Erwartungen erfüllt. Der Ausflug dorthin hatte sich richtig gelohnt und mir eine tolle Mountainbike-Tour in einer ungewohnten Umgebung ermöglicht. Hoffentlich wird eine weitere Tour bald folgen, vielleicht ja auf der Südinsel Neuseelands in den Bergen rund um Queenstown. Ich bin gespannt.

Martin Schäfer (Auslandskorrespondent Neuseeland)

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