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MTB-Tour Lake Wanaka - Neuseeland

28.03.2013 - Seen, Berge und Singletrails auf der neuseeländischen Südinsel

Im Anschluss an meine erste MTB-Tour am schönen Lake Taupo auf der Nordinsel ging es für mich bald weiter in Richtung Süden. Auf dem Weg zu Neuseelands Hauptstadt Wellington am Südzipfel der Nordinsel besuchte ich u. a. die atemberaubend schroffe Vulkanlandschaft im „Tongariro-Nationalpark“ und unternahm eine grandiose Bergtour auf den Vulkan „Mt. Taranaki“, um nur zwei der vielen Höhepunkte zu nennen.

Anfang Februar setzte ich dann nach ausgibiger Erkundung der Hauptstadt per Fähre zur Südinsel über. Vom Ankunftsort Picton aus machte ich mich zügig weiter nach Blenheim und fand dort nach nicht allzu langer Suche neue Arbeit im Weinbau. Fünf anstrengende Wochen des Schuftens auf den Weinplantagen später und um einen netten Vorrat an Geld reicher war es endlich wieder an der Zeit, die Zelte abzubrechen und die Südinsel richtig zu erkunden. Entlang der Westküste führte mich der Weg zu den Regenwäldern und goldenen Stränden des „Able-Tasman“-Nationalparks bis in die neuseeländischen Alpen um den „Franz-Josel- und Fox-Gletscher“. 13wanaka1Anschließend gelangte ich über den Alpenhauptkamm ins malerische Wanaka am gleichnamigen See, wo ich einige der schönsten Tage überhaupt verbrachte und neben einer Bergwanderung die folgende Tour mit dem Mountainbike unternahm.

Bei meiner Ankunft war ich von Wanaka zunächst nur wenig beeindruckt. Wolken und leichter Nieselregen tauchten die Landschaft  in ein tristes Grau,  vom besagten Traumpanorama des Sees und der Berggipfeln an dessen Nordseite war entsprechend wenig bis garnichts zu sehen. Es dauerte aber nur bis zum nächsten Morgen, dass sich meine Meinung schlagartig änderte. Von einem Hügel im Zentrum des Ortes aus, direkt neben meinem Hostel gelegen, warf ich einen Blick auf den See und die mit einer dünnen Schneeschicht bedeckten Berge in der Ferne. Einfach nur genial! Schnell war mein Entschluss gefasst, am nächsten Tag einen nahegelegenen Berg hinaufzuklettern, der allerbeste Sicht auf das Seepanorama bieten sollte. Die Bergtour zum „Mt. Roy“, die ich spontan mit einem französischen Backpacker aus dem Hostel unternahm, war zweifelsohne eine der besten Touren während  der gesamten Reise und ließ Wanaka in der Rangliste meiner Lieblingsorte der Insel bis ganz nach oben steigen.

Als ich dann nach ein paar entspannenden Tagen mit netten Leuten des Hostels nichts erwartend von der Möglichkeit erfuhr, günstig ein Mountainbike zu leihen, schlug ich sofort zu und erkundigte mich nach schönen Routen. In der Touristeninfo des Ortes wurde ich schnell fündig, neben einer Tour zum Nachbarsee „Lake Hawea“ wurde mir noch der hiesige Bikepark empfohlen, den ich unbedingt erkunden wollte.
So ging es vormittags bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen von Wanaka am Ostufers des Sees entlang bis zur Mündung des „Clutha Rivers“, dem mit 340 Km zweitlängsten Fluss Neuseelands. 13wanaka2Ab hier folgte ich einem schönen Trail, der leicht wellig durch lichten Laubwald am rechten Ufer des Flusses verlief. An einigen Stellen gab es immer wieder gute Aussichten auf die zurückliegenden Berggipfel im Umland. In Albert Town, nach rund 10 gefahrenen Kilometern, überquerte ich den Fluss und folgte im weiteren Verlauf dem kleineren Hawea-Fluss, der hier in den Clutha mündete. Über eine baufällig wirkende Hängebrücke wechselte ich abermals die Flussseite, hinter der sich die Landschaft jetzt deutlich veränderte. Waldstücke wechselten sich nun zunehmend mit einer trockenen Steppenlandschaft ab, das Ganze erinnerte mich irgendwie stark an Aufnahmen der Rocky Mountains aus Kanada oder den USA. Die seit Wochen herrschende und kaum unterbrochene Hitze im ganzen Land machte sich hier deutlich bemerkbar und erschwerte auch mir die heutige Fahrt.

Noch gut bei Laune und mit leichtem Tritt gelangte ich schließlich zum ersten Tagesziel, dem „Lake Hawea“. Das tiefblaue Wasser und die mittlerweile große Hitze luden förmlich zu einem Sprung ins kühle Nass ein, diesen hob ich mir jedoch für den Abend in Wanaka auf. Stattdessen fuhr ich nur eine Zeit lang dem Radweg am Ufer nach und machte an einem schönen Flecken Strand spontan meine Mittagsrast. Der Radweg um den See verlief von hier aus eigentlich noch deutlich weiter, ich konnte aber kein lohnendes Ziel wie einen Aussichtspunkt oder Ähnliches finden. Außerdem machten sich meine mangelnde Fitness auf dem Rad und die große Hitze langsam bemerkbar. So beließ ich es bei der kurzen See-Erkundung und startete etwas ausgeruht schon bald zur Rückfahrt nach Wanaka, die mangels Alternative auf dem Hinweg erfolgen musste.

Wieder zurück in Albert Town erreichte ich über einen Abzweig vom Flussweg den besagten Bikepark namens „Sticky Forest“, auch bekannt als „The Plantation“.  Hier erwartete mich ein eng verzweigtes Netz an Mountainbike-Singletrails innerhalb eines geschätzt 5 Quadratkilometer großen Areals. 13wanaka3Die Wege mit abenteuerlich klingenden Namen wie „The Groove“ (die Rille) oder „Thread the needle“ (die Nadel einfädeln) waren so zahlreich und verwirrend angeordnet, dass mich die mitgeführte Karte des Parks eher behinderte, anstatt zu helfen. Also fuhr ich einfach auf gut Glück drauf los und entschied mich an den Weggabelungen meist anhand der ulkigen Schildernamen für einen Weg. Durch dichten Kiefernwald und zahlreiche Windungen ging es nun mit viel Tempo in ständigem Wechsel rauf und runter. Kleine Sprungschanzen oder aneinander gereihte Kurvenkombinationen machten besonders die Abfahrten zum Riesenspass, in den hervorragend ausgebauten Trails konnte ich es so richtig laufen lassen. Meine Fähigkeiten auf dem Rad stießen teilweise auch an ihre Grenzen, wenn es nahe an hohen Felswänden auf schmalsten Pfaden steil bergab ging, aber alles in allem schlug ich mich doch recht wacker.

An den schönsten Stellen des Parks verliefen die Wege entlang steiler Klippen hoch oben über dem Clutha-Fluss oder über gräserne Hügel, die freie Rundumsicht auf den Lake Wanaka, die Ortschaft und die Berge boten. Verbunden mit diesem Traumwetter wurde die Fahrt so zum absoluten Hochgenuss, auch wenn meine Kräfte am späten Nachmittag komplett aufgebraucht waren. Keuchend und mit schweren Beinen drehte ich noch ein paar kleine Runden im Trailpark und machte mich dann nach rund 60 gefahrenen Kilometern ziemlich erschöpft auf den kurzen Rückweg nach Wanaka. So fand eine herrliche Tour in der für mich ab heute schönsten Region Neuseelands ein gelungenes Ende.

Abschluss der Reise

Eigentlich wollte ich nach der Abreise aus Wanaka Anfang April im Touristen-Mekka und Outdoor-Paradies „Queenstown“ noch zu einer dritten Radtour aufbrechen, diese fiel jedoch einer sich anbahnenden Erkältung zum Opfer. Aber auch so hatte die Südinsel Neuseelands noch einige Höhepunkte für mich parat. Zu den Top-Drei gehörten eine Bootstour durch den berühtmen „Milford-Sound“, Wanderungen im „Kaikoura Peninsula“ an der Ostküste sowie ein unbeschreiblicher Besuch des "Mt. Cook", dem höchsten Berg Neuseelands, aus nächster Nähe. Mitte Mai war dann schließlich die Zeit reif, mich vom Land der „Kiwis“ und meiner erlebnisreichen Reise zu verabschieden. Nach einer langen Zugfahrt von Wellington nach Auckland flog ich von dort noch zu einem dreitägigen, äußerst reizvollen Zwischenstop ins südkoreanische Seoul, bevor es dann endgültig zurück in die Heimat und den bevorstehenden „zweiten“ Sommer ging.

Martin Schäfer (Auslandskorrespondent)

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