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Jubiläumsrennen 50 Jahre RSC Eifelland Mayen (30.08.2015)

Ein Radrennen in der eigenen Heimatstadt zu fahren, ist etwas Besonderes. Lange Jahre stand das überhaupt nicht zur Debatte, schließlich dauerte es seit der letzten Austragung 44 Jahre, bis es wieder ein Rennen in Mayen geben sollte. Als dann feststand, dass es sogar der außergewöhnliche Innenstadtkurs mit viel Kopfsteinpflaster werden würde, kam bei mir große Vorfreude auf.

Nicht erst seit der Teilnahme an der Jedermannversion der Flandernrundfahrt 2014 weiß ich, dass ich Pflasterstrecken mag und sie mir auch ganz gut liegen. 15jubi1Wie sich dazu aber die Steigung, die kurze Runde und die beiden entscheidenden Kurven auswirken würden, ließ sich nicht wirklich vorher abschätzen.

Um es kurz zu machen: Das Rennen war eines der härtesten, was ich jemals gefahren bin. Die Strecke zeigte sich in allen Wettkämpfen als extrem selektiv, was durch die große Hitze noch zusätzlich befeuert wurde.

Nun standen 70 schwere Runden auf dem Programm. Natürlich war das persönliche Ziel durchzufahren, allerdings sollte ich bald feststellen, dass es mehrere Phasen im Rennen geben würde und so mussten einige Zwischenziele erreicht werden. Entgegen meiner Angewohnheit ein Rennen erstmal hinten zu starten und dann zu sehen wie es sich entwickelt, stand ich nun als Heimfahrer in der ersten Reihe. Das war aber nach 50 m schon wieder vorbei und mindestens 10 Fahrer hatten mich bereits passiert. Angesichts der engen und selektiven Strecke war mir aber klar, dass vor allem anfangs viele Fahrer hinten zurückfallen würden und so versuchte ich wenigstens in der Mitte zu bleiben. Glücklicherweise gelang das recht gut und ich arrangierte mich bald mit den Kurven, sodass es zwar schlechter als bei vielen anderen Fahrern, aber eben doch einigermaßen lief.

Mit dem späteren Sieger Frank Meeßen setzte sich früh ein einzelner Fahrer ab, was das Feld aber nicht beruhigte. Die Streckenbeschaffenheit förderte ein hartes Ausscheidungsfahren und bei den häufigen Einerreihen war an vielen Stellen auch der Windschatten des Vordermanns nicht viel wert. In den ersten zwanzig Runden war es hart, jedoch wurde ich von Runde zu Runde zuversichtlicher eine gute Rolle spielen zu können: Wetter und Strecke lagen mir. Meine limitierten technischen Fähigkeiten spielten heute keine große Rolle und mit hohen Temperaturen kam ich immer schon gut zurecht. Doch gerade als ich begann mich sicher zu fühlen, zupfte die linke Wade. „Ohje, die linke Wade war schon bei Rad am Ring mein Problem“, schoss mir durch den Kopf. 15jubi2Einen Monat hatte ich nichts gespürt, dann erstmals wieder leicht am Vorabend unseres Rennens in Stolberg-Breinig, dem aber keine große Bedeutung zugemessen. Es blieb mir nun nichts anderes übrig, als das Problem zu beobachten und zu hoffen, dass es kein richtiger Krampf die Weiterfahrt unmöglich machen würde.

Ungefähr in Runde 25 riss das Feld dann auseinander und ich fand mich zusammen mit RSCler Reik Mantay und AVIA-Teamkollege Philip Lentz in der hinteren Gruppe  Panik, so darf es beim Heimrennen nicht enden. Derart viele Zuschauer, derart große Unterstützung und Anfeuerung waren eine unglaubliche Motivation und so wollte ich alles versuchen, um die Lücke wieder zu schließen. In der Neustraße setzte ich mich an die Spitze der Gruppe und gab zwei Runden Vollgas, bis ich am Ende des Kopfsteinpflasteranstiegs keine Kraft mehr hatte. Die Lücke war kleiner geworden, aber eben nicht zu, alleine würde ich es nicht schaffen. Glücklicherweise übernahm nun ein anderer Fahrer, der ebenfalls seinerseits mit einem Kraftakt über zwei Runden das Loch zufahren konnte. „Gerade nochmal gut gegangen.“ Beim Blick zurück sah ich, dass das Feld nach dieser Aktion stark dezimiert war. Reik war nicht mehr zu sehen und Philipp fuhr ganz am Ende der Reihe. Ihm machten die hohen Temperaturen zusätzlich zu schaffen und so dauerte es leider auch nicht mehr lange, bis er endgültig den Anschluss verlor. Mittlerweile hatte sich eine Vierergruppe auf die Verfolgung gemacht, Spitzenreiter Meeßen gelang jedoch schon kurz darauf die Überrundung des Feldes.

Die folgende Phase etwa zwischen Runde 40 und 55, bis die enteilte Gruppe ebenfalls die Überrundung vollendete, würde ich als die ruhigste des ganzen Wettkampfs bezeichnen. Das Ziel vor Augen war klar: Ich musste noch etwas probieren. Ich arbeitete mich nach vorne und in der Prämienrunde 55 war es soweit: Zwei Fahrer sprinteten um den Barpreis, rissen eine Lücke auf, Frank Meeßen setzte nach und ich versuchte sein Hinterrad zu halten. Um ein Haar wäre es gelungen, die Lücke nach hinten war auf, doch zum höchsten Punkt am Ende des Kopfsteinpflasters fehlten leider auch wenige Meter zu der nun dreiköpfigen Spitze. 15jubi3Ich konnte sie nicht schließen und hatte „den Zug verpasst“. Schade, aber es sollte nicht der letzte Versuch bleiben. Der anspruchsvolle Kurs und die hohen Temperaturen ließen immer mehr Fahrer ausscheiden, teils mit plötzlichen Krämpfen.

Kurz vor Ende wollte ich dann noch einmal alles auf eine Karte setzen. Zwei Runden vor Schluss nahm ich mein Herz in beide Hände und attackierte von vorne. Wieder war es knapp, doch nun waren die verbliebenen 18 Fahrer alle auf der Hut, schließlich wusste jeder ob der Chance eine gute Platzierung zu fahren. Nachdem der Vorstoß neutralisiert war, konnte ich in den Schlusssprint nicht mehr richtig eingreifen und wurde letztlich 15. Für mich ist dieser Platz ein starkes Ergebnis, gerade in einem derart schweren Rennen. Trotzdem blieb der leichte Beigeschmack, dass vielleicht doch mehr drin gewesen wäre. In der Rückschau überwiegen aber deutlich die großartigen Erinnerungen an einen rundum gelungenen Renntag. Es hat einfach alles gepasst: Tolles Wetter, viele zupackende Helfer, eine super Atmosphäre und ein spannender und intensiver Wettkampf.

Martin Reis

C-Klasse-Rennen Mayen:

1. Frank Meeßen - RSV Düren / Team HyBauTec
2. Sascha Haussmann - RSV Nassovia Limburg
3. André Schmitz - Squadra Ciclismo Colonia
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15. Martin Reis - RSC Eifelland Mayen / Avia Racing Team
DNF Reik Mantay RSC Eifelland Mayen / Avia Racing Team

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