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Omnium Offenbach a.M. (04.07.2015)

Ein „Omnium“ (dt. alles) kennt man normalerweise als Radsportdisziplin von der Bahn. Es ist im Prinzip ein Mehrkampf, bei dem im Tagesverlauf mehrere Einzelrennen in verschiedenen Disziplinen ausgefahren und am Ende nach Punktevergabe eine Gesamtwertung erstellt. Auf der Straße ist ein Omnium eher ungewöhnlich, da man im normalerweise keine Strecke hat, die „kurz genug“ ist. Anders in Offenbach – mitten in der Mainmetropole richtete der RSC Offenbach Bürgel auf einem fast runden 400-m-Kurs um den Hessenring ein solches Experiment aus. Schon früh hatte Joshua Dohmen das Rennen für AVIA ins Auge gefasst, da aber am gleichen Tag die Fernfahrt Mendig-Budel angesetzt war, verschwendete ich keinen Gedanken an eine Teilnahme. Das ändert sich wenige Tage zuvor, als die Niederländer aufgrund der großen Hitze die Breitensporttour zu Recht absagten. Für eine Rennportveranstaltung mit einem derart kurzen Kurs, gelten hier aber andere Vorzeichen und so fand das Rennen statt.

Da Joshua die Mitfahrer ausgegangen waren, sprang ich gerne ein, um das Experiment einmal zu wagen. Bei fast unerträglicher Hitze erlebten wir einen tollen Renntag, bei dem sich die Veranstalter schon fast rührend um das Mini-Teilnehmerfeld von 14 Fahrern kümmerte (vielmehr hätten allerdings kaum auf die Strecke gepasst). In allen Rennpausen wurden Liegestühle für uns bereitgestellt und kühle Getränke en Maß gereicht.

Derart umsorgt, machte es trotz der Hitze richtig Spaß die Rennen zu fahren. Von Anfang an war klar, Joshua versucht sich so gut wie möglich in Szene zu setzen und wenn es mir gelingt, stoße ich zur Unterstützung dazu. 15offenbach1Danach sah es beim Punktefahren (Rennen 1) zunächst aber lange nicht aus. Ich hatte mehrfach Probleme den Anschluss zu halten und fuhr fast 20 Runden lang hinter dem Feld her, ehe ich den Anschluss wiederherstellen konnte. Wieder im Feld war ich jedoch noch gut drauf und wir konnten in die Offensive gehen. Alle 11 Runden gab es Punkte für die ersten 4 Fahrer. 33 Runden vor Schluss sollte uns ein erster Coup gelingen, 2 Runden vor der Wertung fuhr ich mit Joshua am Hinterrad nach vorne, setzte ein konstant hohes Tempo von der Spitze und „lieferte“ Joshua kurz vor der Zielkurve ab, von wo dieser zum Punktsieg sprintete. Genau deckungsgleich vollzogen wir das Manöver 22 Runden vor Schluss, damit war Joshua ein Spitzenplatz bereits sicher. Ob des Erfolges wollten wir das ganze nun bei der doppelt zählenden Schlusswertung nochmal wiederholen. Leider dachten das dann aber auch die Kontrahenten und so gelangten wir nicht mehr in die richtige Position. Schade, obwohl wir gut zusammenarbeiteten war mehr drin, Joshua wurde allerdings 5., ein guter Auftakt.

Das 2. Rennen war ein Einzelzeitfahren über eine Runde mit fliegendem Start. Joshua gelang eine fast perfekte Fahrt und er wurde Zweiter. Auch ich hatte mir einiges ausgerechnet und vorher genau angeschaut, wie ich die Kurven perfekt nehmen könnte. Genau dabei versagte ich dann aber im entscheidenden Moment und fuhr gleich zwei der drei Kurven unsauber, sodass ich jeweils Tritte herausnehmen musste und sicher einige Zehntel verlor, was letztlich dann zu Platz 11 führte.

Beim Scratch (Rennen 3), einem 33 Runden-Rennen auf Endsprint, konnten wir uns im Finale nicht gut platzieren und so lagen die Hoffnungen auf dem abschließenden Ausscheidungsfahren. 15offenbach2Alle drei Runden schied dabei der Fahrer aus, der die Ziellinie mit dem Hinterrad als Letzter passierte. Dieser Modus führte zu einer ganz eigenen Dynamik im Feld. Ein Sprint, in dem man nicht Letzter werden darf, wird ganz anders gefahren, als ein solcher, der auf Sieg ausgetragen wird. Die vorderen Fahrer fühlen sich früh sicher und lassen beinahe ausrollen, während hinten ein echter Sprint entsteht und jeder versucht eine Lücke nach vorne zu finden. Dabei kann man schnell eingeklemmt werden und hat dann trotz möglicher Kraftreserven keine Chance weiter nach vorne zu kommen. Ein sehr interessantes Format, was mir auch viel Spaß gemacht hat. Leider fiel ich früh einem unglücklichen Umstand zum Opfer. Die Lautsprecheranlage des Veranstalters war auf der Rennstrecke fast gar nicht zu hören und so verließ der als zweites ausgeschiedene Fahrer nicht das Rennen. In der nächsten Ausscheidungsrunde gingen die Positionskämpfe los und ich wähnte einen Fahrer hinter mir, fühlte ich also sicher. Leider war dieser eben schon beim letzten Mal ausgeschieden und somit war nun ich an der Reihe. Das lief leider sehr unglücklich und wer weiß was noch möglich gewesen wäre. Auch Joshua war am Ende nicht zufrieden: Er war fast ausschließlich unter den ersten drei positioniert und fand sich dann plötzlich hinten wieder, alles ging sehr schnell, er war eingeklemmt -> raus.

Fazit: Interessantes Format, unheimlich netter Veranstalter, schöner Kurs -> hat Spaß gemacht.

Martin Reis

Ergebnis Offenbach:

1. Timo Berner - VC Frankfurt 1883
2. Andreas Fließgarten - Team Kuota Lotto
3. Falk Putzke-Schmidt - Vorwärts Orient Mainz
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7. Joshua Dohmen - CT Zandegiacomo Bonn / Avia Racing Team
13. Martin Reis - RSC Eifelland Mayen / Avia Racing Team

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