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Schwarzwald Ultra Bike Marathon

19.06.2016 - Das Größte Rennen seit Ben Hur

Naja Fast. Aber über 5900 Teilnehmer (!) sind ne ganze Menge Leute! Und jeder von denen wird ab Ankunft gefeiert wie ein Held. Die Fahrradbegeisterung spürt man hier überall. Allein in Freiburg. Soviel Rennradler und MTBler hab ich selten gesehen. Da werden Radler mit Respekt auf der Straße behandelt und nicht wie n störender Fremdkörper wie in unserem Koblenz. Aber das ist ein anderes Thema...

Zum Rennen. Um 7:30 ist Start. Im Hotel gibt's laut Aushang erst ab 8:00 Frühstück und ich hab Hunger. Finde den Fehler. Also um 6:00 aufstehen und das Biker Frühstück am Ultra genießen. Den hät ich zelebrieren sollen wie ein 8-Gänge Menue im 4 Sterne Restaurant. 6 Euro für n Brötchen und ein Kaffee fand ich heftig. Ok, es gab noch 1000 andere Sachen, aber 20 Minuten vorm Start konnt ich mich nicht noch durchs Buffet kämpfen.

Ich mach mich in meinen Startblock. Wegen der ersten Teilnahme wurde ich weiter hinten in Block 16 eingestuft. Ich wollt eh nur finishen, daher egal. 16sw1Die Stimmung im Dorf ist um die Uhrzeit schon geil, vielleicht gezwungenermaßen stehen alle schon an der Straße oder gucken aus den Fenstern. Überall Musik und was für welche! Die hät ich mir abends um 23 Uhr im Club gewünscht aber morgens um halb 8 hat auch was.

Der Moderator und die Menge Applaudieren dich dann auf die Strecke. Klar, nervös ohne Ende aber Gänsehaut vom Start weg bis aus dem Städtchen hinaus. Noch ein kleiner Smalltalk mit einem Schweizer "dein erster Start hier, oder?" cool, voll das Klischee! Lustig war sein Aufdruck auf der Hose "kämpfah, kum kämpfah" aus der Werbung mit den Geisböcken.. Ja, ich hab Carbon statt Kondition, guck auf sein Alu Canyon und muss grinsen. Fährst 400km von zuhause mit nem Schweizer auf nem Koblenzer Fahrrad. Kleine Welt.

Den ersten Anstieg wollt ich gemütlich angehen lassen. Über 3000 hm hab ich noch nie an einem Tag gerissen. Ich hatte also keine Ahnung wie ich mir das einteilen sollte. Ich freute mich im Hotel noch über meine Wetterapp, 6 Uhr leichter regen, stimmte! Der sollte dann aufhören und bis 12:00 trocken und dann mit Pech den ein oder anderen Schauer. Kann man machen. Entweder waren dann die Schwarzwälder Uhren 4 Stunden zu schnell oder meine App wollte mich verarschen. Es fing an zu regnen. 2 Stunden am Stück nur Wasser von oben. Mit viel Dreck angereichert dann auch von unten. Mein Garmin hatte garkein Bock mehr und hatte den kompletten 2. Berg nicht aufgezeichnet. Wasser im system oder so. Oder er dachte sich "normal fährste auch nur 1500hm". Naja, gibt ja noch ne Korrekturfunktion bei Strava. Die hat dann völlig übertrieben und 4450 Höhenmeter daraus gemacht.. Hmpf, tolle Technik.

Gefreut hat mich dann endlich mal bekannte zu treffen. Rolf war ca 10 Minuten vor mir gestartet. Etwa bei km 40 hab ich ihn eingeholt und durch meine Fotostops und ner 5 Minuten Pause um mir die regenklamotten mal auszuziehen ( ja das Wetter wurde wirklich besser, aber der Matsch nie!) sind wir uns immer wieder begegnet. Das beruhigte irgendwie. Eine andere Gemse sollte in meinem Startblock gewesen sein, hab ihn aber nicht gesehen. Später erfuhr ich, dass er das Zeitlimit nicht schaffte und aus dem Rennen genommen wurde. Schade sowas.

Zur Strecke selbst gibt's nicht viel zu sagen. Feldwege rauf, Feldwege runter, das alles in nass und matschig war kräftezehrend genug. Teilweise fühlte sich das an, wie durch Pattex zu fahren. Die paar Trails konnte man an beiden Händen abzählen. Das ist auch nicht das herausragende an diesem Marathon. Das beeindruckendste ist wirklich die Party Stimmung in der ganzen Region. Fragt mich nicht wo ich überall war, wie immer, ich fahr ja nur den anderen hinterher. Europa. Titisee war ich. Seehotel am See (schlauer Name dacht ich mir) Verpflegungsstellen ohne Ende. Also verhungern oder verdursten wär schwierig geworden. Und überall die Kids, die mit Begeisterung geholfen haben: Darf ich ihre Brille putzen? Darf ich ihr Rad waschen lassen? Öl auf die Kette? Noch n Riegel? Oder Gel? 16sw2Wasser oder Iso? Was den hier los? Full service an jeder Station! Ein Knirps blieb besonders in Erinnerung, im viel zu großen erwachsenen Ultra-Bike Trikot bis an die Knöchel stand er mit einem Becher Wasser und Cola an einer der letzten Verpflegungen und hat sich n Ast gefreut, wenn du was angenommen hast. Ich hatte den Rucksack schon voll, sonst hät ich den wohl mitgenommen.

Das Highlight schlecht hin vor dem letzten langen Anstieg: Alpes de Fidle Brugg.

Kein Anstieg der so für den "Black Forest Ultra Bike Marathon" steht. Du kommst ins Dorf und glaubst da wär irgend ne Dorfdisko, die schon zu früh abgelegt hat. Bis du an diese Rampe kommst, über 20% Steigung und eine Party wie bekloppt. Der Moderator mit Holzgitarre und Schwarzwaldhut (die mit den roten Kugeln) steht wie Ronaldo vorm Freistoß vor dir und brüllt dich an "los Ilja, gib alles!" Kuhglocken, Trillerpfeifen, Techno, Party, gebt mir ein Bier, hier bleib ich! Das motiviert, Messer zwischen die Zähne, dicker Gang und hoch da! Und das mit über 2000hm und gut 70km die ich in den Beinen hatte. Dann der letzte Anstieg. Ich war überrascht, wie gut das hoch ging. Und von der Strecke waren wohl wieder nur Feldwege zu erwarten. Ich hab dann mal mit spazieren fahren aufgehört und die letzten 40 km fliegen lassen. Ist ja schließlich n Rennen. Den Beinen nach hät ich das ruhig früher machen können. Dann diese sinnlose Höhenmeter vernichtung über nen breiten Waldweg. Zum Glück hat sich eine kleine 20cm Spur in den Schotter gefräst, den konnte man wenigstens Vollgas mit nem Grinsen runterknallen. Nach so nem Tag mit 60 Klamotten durch n Wald war auch nett. Ich hatte den Zieleinlauf nicht gut getimt. Auf dem Campingplatz vor dem Stadion noch Mega Stimmung wurde ich im Stadion nicht so empfangen. Dort wurde grad Simon Stiebjahn für den Sieg auf der Marathon Strecke geehrt. Der hatte gestern doch erst die Bike 4 Peaks gewonnen? Irre der Typ.

Am End Platz 528 von 695. Altersklasse 211 von knapp 250. Dafür, dass ich nicht auf Platzierung und meist spazieren gefahren bin ist das ganz ok. Ich wollte ja nur finishen. Und das hab ich. 116,9km mit 3150 Höhenmetern. Mit nem Schnitt von fast 16 km/h in 7 Stunden und 51 Minuten. Mit Eindrücken, die ich so schnell nicht vergessen werde. Danke Dirk, dass du mich zu so ner bekloppten Nummer überredet hast! Nächstes Jahr Bike Four Peaks? Ein Etappenrennen wär doch auch mal ne Nummer. Lange Anstiege kann ich ja jetzt.

Grüße,

Ilja El-Tawil

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