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Von Mayen zum Gardasee - 1.000 Km in 10 Tagen

Die von unserer sechsköpfigen Gruppe geplante Sommertour sollte dieses Jahr von Garmisch-Partenkirchen über die Alpen zum rund 400 km entfernten Gardasee führen. 17alpencross1Während der Tourenplanung kam uns beiden plötzlich die verrückte Idee doch direkt von Mayen aus zu starten. Die Anfahrt wäre zwar 600 km lang, aber gegenüber der Alpenüberquerung mit ihren mehr als 10.000 hm schließlich eher flach.

Gesagt, getan. So starteten wir zu zweit zur ersten Etappe nach Mainz - auf Grund von fehlendem Urlaub direkt nach Feierabend.

Die ersten 130 km führten uns über den Maifeldradweg nach Münstermaifeld. Von dort aus ging es das bekannte Schrumpftal hinab, bis wir in Löf die Mosel überquerten und anschließend über den Hunsrück an den Rhein fuhren, dem wir bis Mainz ja nur noch entgegen fahren mussten. Während der Fahrt am Rhein entlang, lernten wir einen Radfahrer aus den Niederlanden kennen, der nach Innsbruck wollte. Bis Mainz fuhren wir nun zu dritt, in Begleitung des netten Holländers.

Am späten Nachmittag machten wir kurz Halt, um in der Mainzer Jugendherberge anzurufen, da wir merkten, dass wir dort nicht rechtzeitig ankommen würden. In den meisten Jugendherbergen ist bis18 Uhr Check in. Wir waren doch etwas zu spät losgefahren. Diese Anrufe in den Jugendherbergen wurden bis Garmisch Tradition. Mal hatten wir uns verfahren, ein anderes Mal einen Plattfuss oder es kam ein See dazwischen, der einfach zu schön war, um daran vorbei zu fahren. Wir schafften es nie rechtzeitig bis 18 Uhr – gute Planung hin oder her.

Zweiter Tag, zweite Etappe. Diese sollte dann auch die längste werden – 195 km von Mainz bis Stuttgart. In Mannheim bescherte uns anhaltender Regen eine längere Mittagspause. Der Imbiss, den wir aufsuchten, war speziell. 17alpencross2Wir hatten die Wahl zwischen Spagetti Napoli oder Spaghetti mit vegetarischer Sauce. Den Unterschied konnte uns dort niemand erklären. Vermutlich hatte jemand die Napolisauce mit Fleischtomaten gekocht... ;-)

Einige Kilometer hinter Mannheim verließen wir den Rhein in Richtung Osten. Auf dem restlichen Weg nach Stuttgart besserte sich das Wetter wieder. Im Stuttgarter Stadtpark angekommen, waren die alten, großen Ahornbäume sehr beeindruckend. Aber uns blieb nur wenig Zeit diesen Anblick zu genießen. Durch die verlängerte Mittagspause in Mannheim waren wir erneut zu spät dran. Unsere Unterkunft lag auf einem Berg mit Blick über die Großstadt. Die vermeintlich letzten Meter führten eine lange Treppe hinauf. Zielsprint: Mit geschulterten Fahrräder sprinteten wir nebeneinander die Stufen hoch – unter den Blicken einiger irritiert schauender Passanten. Oben angekommen mussten wir dann aber doch noch einige Meter fahren. Als wir in der Jugendherberge eintrafen, war die Küche bereits geschlossen. Doch dieses Mal hatten wir Glück. Der freundliche Koch bot uns noch etwas zu essen an.

Zum Abschluss des Tages zogen wir uns noch ein U-Bahn Ticket und sahen uns die Innenstadt an.

Am dritten Tag starteten wir in Stuttgart bei sehr schönem Wetter in Richtung Memmingen. Wir hatten die Hoffnung heute unsere ca. 170 km entfernte Unterkunft pünktlich zu erreichen. Diese Hoffnung zerfiel jedoch an einem Berg hinter Neidlingen, als die Navis uns abseits jeglicher Wege eine Felswand hochschicken wollten. Beim dritten Anlauf fanden wir einen Weg, der zwar aufgrund umgefallener Bäume gesperrt war, was uns aber nicht mehr davon abhalten konnte, die 300 hm auf diesem Weg hinter uns zu bringen. Die Irrfahrt bescherte uns neben zusätzlichen Kilometern und Höhenmetern auch eine sehr schöne Pause am Besucherbergwerk Heimensteinhöhle. Von dort aus ging es auf Waldwegen hinab ins Illertal an der Iller entlang bis zum Zielort Ottobeuren bei Memmingen.

Der darauf folgende vierte Tag, sollte schon der letzte Tag der Anreise sein und die ersten größeren Berge am Horizont auftauchen lassen. 17alpencross3Nach einem kleineren Abstecher an den Forggensee, um sich Neuschwanstein anzusehen, trafen wir in Garmisch auf den Rest der Truppe. Wir aßen gemeinsam zu Abend und feierten mit Blick auf die Zugspitze bis in den späten Abend.

Die Alpenüberquerung startete dann am 5. Tag in Garmisch-Partenkirchen. Am türkis-blauen Eibsee vorbei, ging es über die österreichische Grenze. Nach der ersten längeren, rasanten Abfahrt hatten wir mit einer gebrochenen Speiche auch schon den ersten Defekt zu verzeichnen, was uns jedoch nicht daran hinderte den Fernpass hinter uns zu bringen und das Ziel Imsterberg zu erreichen.

Tag 6 begann regnerisch und kalt, führte uns über rutschige Wurzeltrails und nasse Radwege am Fluss Inn entlang. Nach dem Bezwingen der Norbertshöhe (1.405 m ü. NN) endete er genau so regnerisch und kalt in Nauders wie er am Morgen begonnen hatte. Zwischen drin gab es zu allem Überfluss noch einen Kettenriss. Die Stimmung war am Boden. Nach dem Abendessen gönnten wir uns Österreichs größtes Schnitzel zum Nachtisch, was die Stimmung wieder deutlich verbesserte.

Am 7. Tag erreichten wir nach dem Start im österreichischen Nauders und einer weiteren Überquerung der Norbertshöhe wieder schweizerisches Hoheitsgebiet. Die landschaftlich unglaublich beeindruckende Uina Schlucht führte uns auf in den Fels geschlagenen Wander- und Kletterpfaden, die teilweise durch den Berg führten, auf ein überwältigendes Hochplateau, welches auf knapp 2300 m ü. NN liegt. Die Landschaft jenseits der Baumgrenze empfanden wir als sehr gigantisch. Nach einer Einkehr und Rast in der dort oben liegenden Sesvennahütte, die sich bereits in „Bella Italia“ befindet, begaben wir uns auf die sehr lange, rasante Abfahrt ins Tal nach Glurns am Fuße des Stilfser Joch. Die ca. 15°C Temperaturunterschied zwischen der Sesvennahütte und dem Tal merkte man auf jedem Meter, den man tiefer kam. Nach den hinter uns liegenden Strapazen hatten wir uns die erste italienische Pizza redlich verdient.

Wir starteten den 8. Tag mit hohem Tempo. Die ersten ca. 50 km gingen am Fluss Etsch entlang, bevor wir dann rechts abbogen und den Berg hinauf zur auf 1.922 m ü. NN liegenden Naturnser Alm fuhren. Diese lud zu einem leckeren Kaiserschmarrn ein. 17alpencross4Ausgeruht führte uns unser Weg weiter zum Vigiljoch, auf dessen Hütte wir auf 1.747 m ü. NN. übernachteten. Einige Kickerpartien rundeten den Abend ab.

Den vorletzten Tag begannen wir von der Hütte aus startend über hochalpine Singletrails, die es in sich hatten und uns ab und zu auch mal zum Absteigen zwangen. Auf diesem schönen und sehr anstrengenden Weg tauchte, wie aus dem Nichts, ein kleiner Sonnenschirm mit darunter gekühlten Getränken auf. Ein Almbewohner hatte diese zur Selbstbedienung für vorbeiirrende Mountainbiker und Wanderer aufgebaut. Nach einer kurzen Erfrischungspause fuhren wir weiter hinab zum Fuße des Rabbi Jochs. Und wieder galt es bis zum nächsten Kaiserschmarrn mehr als 1.000 hm am Stück zu bezwingen, was wir mit dem Überqueren des Passo Rabbi 2.460 m ü. NN und dem Erreichen der Hütte dahinter geschafft hatten. Nach der dortigen Rast fuhren wir auf einem sehr flowigen Singletrail weiter in Richtung Tagesziel nach Dimaro.

Der die Tour abschließende 10. Tag sollte es nochmal in sich haben. Von Dimaro aus fuhren wir durch ein Flusstal nach Madonna di Campiglio, welches sich noch ca. 60 km nördlich vom Gardasee befindet. Auf unserem Weg in Richtung Süden begleitete uns der Ausblick auf die Bergmassive der Brentagruppe. Wir legten nochmal eine kurze Badepause im Lago d' Agola ein, bevor wir wieder den nächsten und vorletzten Pass hinauffuhren. Der letzte Pass, der Passo del Ballino, war mit seinen 750 m ü. NN eher flach, bevor es dann mit vollem Tempo hinunter an den Gardasee ging. Dort angekommen durften zur Feier der gelungenen Alpenüberquerung der Sprung in den See und natürlich auch ein Bier nicht fehlen.

Alexander Münch und Marius Theisen

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