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20-Stunden-Rennen Fell 2011

25. & 26.07.2011: Zweierteam verteidigt erfolgreich den Sieg aus dem Vorjahr

Wenn auch nur 20 Stunden lang, weist der Feller Radmarathon doch das entscheidende Kriterium aller 24-Stunden-Rennen auf, die Nachtfahrt und damit verbunden der Schlafmangel. In einem 2er-Team wirkt sich dies, im Gegensatz zum 4er, noch stärker aus. Als Vorjahressieger des Feller 20-h-Rennens 2010 wussten wir diesbezüglich, was auf uns zukommen würde. Allerdings bleiben von solchen Veranstaltungen hauptsächlich die positiven Erinnerungen eindrücklich haften.

Trotz oder gerade wegen unseres Vorjahressieges wollten wir nun 2011 beweisen, dass dies keine Eintagsfliege war und zur Titelverteidigung antreten. 11fell1Im Vorfeld des Rennens trat die Firma Poisonbikes an uns heran und stellte uns ihren Firmenstartplatz zur Verfügung. Für diese Möglichkeit und die gesamte Unterstützung seitens Poison möchten wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken. Somit reisten wir als „RSC Mayen – Team Poisonbikes“ am Samstagmorgen zum Start nach Fell, wo im Vergleich zum Vorjahr eine zahlenmäßig mehr als doppelt so große Konkurrenz auf uns wartete. Die letztjährigen Podiumsplätze 2 und 3 waren allerdings nicht vor Ort und entsprechend schwierig war die Einschätzung der Gegner. Aufgrund der noch langen Wartezeit bis zum Start hatten wir nach unserem Quartieraufbau (bestehend aus PKW und Pavillon) mehr Zeit als üblich, um uns verrückt zu machen, indem wir jeden vorbeikommenden Fahrer kritisch beäugten und nach Möglichkeit die Startnummer prüften, um ihn gegebenenfalls in die Konkurrentenliste einordnen zu können. Doch nun zum Rennverlauf:

Hier ergeben sich natürlich 2 verschiedene Sichtweisen auf das Geschehen, da man sich im 2er-Team, mit Ausnahme der wenigen Sekunden beim Wechsel, im Prinzip 20 Stunden nicht sieht. Es regnete zwar noch bei der Anfahrt, doch glücklicherweise trocknete die Strecke rechtzeitig ab und es blieb dann auch vollständig trocken. Am Samstag waren die Temperaturen deshalb deutlich niedriger als bei der Hitzeveranstaltung im Vorjahr. Erwähnenswert ist außerdem noch die besondere Atmosphäre in Fell und Thomm (zweiter beteiligter Ort, nach dem Anstieg), die ich vorab beschreiben will. Sie ist geprägt von familiärer Stimmung im Fahrerlager und seitens des Veranstalters, aber auch von großartiger Unterstützung von vielen Zuschauern hauptsächlich in den beiden Gemeinden Fell und Thomm. Hier gibt es unzählige kleine Feste von Anwohnern, wo sich Gruppen zum gemeinsamen Feiern zusammenfinden und dabei jeden (!) vorbei kommenden Fahrer anfeuern. Einige von Ihnen sogar fast durch die gesamte Nacht hindurch. Besonders wird die Atmosphäre auch in der Nacht am Thommer Berg, wo etliche Helfer Tausende von Knicklichtern postieren und kurz vor Ende des Anstiegs eine Rockband bis tief in die Nacht einheizte. Vielen Dank dafür. Allein deswegen sollte man das Rennen einmal gefahren sein. Den Start um 19:30 Uhr verfolgte ich als Zuschauer, während Max zum ersten 2-Runden-Abschnitt antrat.

Dieser Rhythmus (jeweils 2 Runden von etwa 35-40 Minuten) hatte sich im letzten Jahr bewährt und so sahen wir keinen Anlass, etwas an der Strategie zu ändern. Mit dieser Taktik ergibt sich ein annehmbarer Ausgleich zwischen Belastungs- und Erholungsphase. Nach Abzug von Warm- und Ausfahren, An- und Ausziehen bleiben bei dieser Variante etwa 60 Minuten, in denen der Fahrer essen, ruhen oder Arbeiten am Rad durchführen kann. Nach der ersten Runde kam Max etwa an 15. Position über Start und Ziel und lag damit auf Rang 3 der 2er-Teams, dies sollte zumindest schon mal ein Ansatzpunkt sein, wer denn unsere Konkurrenten sein würden, denn es waren tatsächlich diese ersten 3 Teams, die auch knappe 19,5 Stunden später das Podium belegen sollten. 11fell3Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang noch Rudi Döhnert, der als späterer Einzelsieger in der ersten Runde als Gesamtdritter (!!!) nur hinter 2 Viererteams die Ziellinie passierte. Unglaublich !!! Jetzt hieß es aber auch für mich fertig machen und ins Rennen starten.

Die ersten 2 Runden würde ich noch ohne Licht fahren können und so stellte ich mich in die zu diesem Zeitpunkt noch sehr hektische Wechselzone (das sollte sich im Verlauf des Rennens deutlich beruhigen) und wartete. Nach 68 Minuten sah ich Max kommen, Transponder von seinem Bein ab, bei mir wieder dran und los… Ich kannte die Runde natürlich noch vom letzten Jahr, allerdings muss man sich doch noch einmal an Feinheiten wie Unebenheiten an bestimmten Stellen und möglichen Kurvengeschwindigkeiten gewöhnen. Trotzdem lief es ausgesprochen rund, die Beine fühlten sich gut an und so konnte ich einige Positionen gut machen. In dieser Anfangsphase kristallisierten sich schnell unsere Hauptgegner vom RC Adler Köln heraus. Da sie jeweils fast unmittelbar bei unseren ersten Zielpassagen wechselten, war klar, dass sie jeweils nur eine Runde zwischen den Wechseln fuhren. Im späteren Gespräch ergab sich auch, dass sie dies für die gesamte Renndauer beibehalten wollten. Es entwickelte sich bis zur 9. Runde ein Schlagabtausch mit ständigen Führungswechseln und das trotz Problemen mit der Beleuchtung, die sowohl Max als auch mich unabhängig voneinander betrafen. Ich hatte ein mir unbekanntes Lampenmodell dabei und dies nicht richtig fixiert, sodass ich während des ersten Nachtabschnitts geschätzte 3-4 Minuten wegen Sichtproblemen verlor. In Runde 10. erwischte Max völlig unerwartet ein schwerer Einbruch und er fuhr die Runde 8 Minuten langsamer als zuvor.Beim Wechsel wirkte er völlig ausgepowert und das nach knapp einem Drittel der Gesamtdistanz. Ich versuchte ihn mit einigen Worten zu beruhigen und richtete den Fokus auf die Sicherung von Platz 2. Obwohl sich Max glücklicherweise sehr schnell wieder erholte und erneut konstante Zeiten fahren konnte verloren wir auf das führende Zweier-Team kontinuierlich Zeit und waren zeitweise knapp über 10 Minuten zurück. Zur Halbzeit nach 10 Stunden Renndauer um 5:30 Uhr hatten wir nur noch 6 Minuten Rückstand und 1 ½ Runden Vorsprung auf Platz 3. Daher war die Marschroute klar, Druck machen auf Platz 1, nach hinten waren wir abgesichert.

In den frühen Morgenstunden lief es bei mir persönlich sehr gut und ich konnte meine Rundenzeiten konstant halten bzw. sogar noch verbessern. Auch die zunehmende Erschöpfung unserer Hauptgegner blieb uns nicht verborgen und spornte uns zusätzlich an. Nach unserer 20. Runde übergab ich an Max, der mir beim Wechsel zurief, der Abstand sei nun unter einer Minute und Max hatte sich so erholt, dass er jetzt angreifen konnte. Somit wurde ihm die Ehre zuteil, die Führung nach über 9 Stunden in der 21. Runde wieder zurückzuerobern. Jetzt befanden wir uns in der schwierigen Situation, auf der einen Seite den Abstand schnell so groß wie möglich auszudehnen um die jetzt Zweitplatzierten zu demoralisieren, auf der anderen Seite angesichts noch 7 Stunden Renndauer den Motor nicht zu überdrehen und dann später selber einzubrechen. Derart motiviert legte ich in Runde 23 und 24 dann meinen persönlich schnellsten Block (74 Minuten) seit den Startrunden (67 Minuten) hin. Unser Vorsprung wuchs dabei auf 8 Minuten, Tendenz steigend, damit waren der Sieg und die Titelverteidigung zum Greifen nahe und wir mussten „nur noch“ konstant zu Ende fahren.

Es kristallisierte sich allerdings schon seit längerem heraus, dass wir eine Runde mehr als im Vorjahr schaffen würden, also 31 Runden, und damit ein Fahrer 16 Runden zu absolvieren hatte. Wir vereinbarten beim Wechsel, dass wir bis Runde 28 im 2er-Rhythmus blieben, dann Max eine Schlussrunde und ich die beiden letzten Runden fahren sollte. Ausgerechnet jetzt, gegen 12 Uhr, kam dann die angekündigte große Hitze und das Thermometer kletterte in der Mittagszeit klar über die 30-Grad-Marke. Bei meinen 4 Schlussrunden mit nur einer kleinen Pause machte mir dieser Umstand schwer zu schaffen. Zwischen 12:00 und 15:30 Uhr hatte ich 4 von 5 unserer Runden zu fahren. 11fell2Bisher war ich immer der Ansicht, mit Hitze relativ gut umgehen zu können. Die Zeiten blieben auch im annehmbaren Bereich, unter 40 Minuten pro Runde, aber ich war fix und fertig. In der Nachbetrachtung war dafür meiner Meinung nach hauptsächlich diese plötzliche Hitze verantwortlich, da die Beine sich immer noch verhältnismäßig gut anfühlten. 20 Minuten vor Zielschluss erreichte ich mit unserer 31. Runde das Ziel und damit war es geschafft.

Die 2er-Mannschaft RSC Mayen – Team Poisonbikes holte sich mit Rundenvorsprung (die Fahrer des RC Adler Köln waren angesichts des großen Rückstands auf uns und des ausreichenden Vorsprungs auf Platz 3 nicht mehr zur 31. Runde angetreten) den Sieg in der Zweier-Wertung. Insgesamt landeten wir immerhin auf dem guten 7. Platz und mussten somit nur 6 Viererteams den Vortritt lassen. Nach der Zielankunft lagen wir zunächst beide für fast eine Stunde völlig ausgepumpt unter unserem Pavillon, während unsere Zeltnachbarn uns gratulierten und um uns herum die meisten Teams ihre Lager schon abbauten. Obwohl man angesichts der Erschöpfung kaum von Erholung sprechen kann, realisierten wir nun doch, dass wir unsere Ziele mehr als nur erreicht hatten. Wir freuten uns über 31 Runden und damit knapp 540 km und 10 000 Höhenmetern bei ca. 28 km/h Durchschnitt, womit wir das Vorjahresergebnis noch verbessern konnten. Trotzdem wollten wir nach dem Abbau und der Siegerehrung nur noch eins: nach Hause und ausruhen. Martin Reis Bericht von Max Göke: Die Titelverteidigung steht an. Mit diesem Gedanken, beziehungsweise diesem Wunsch gingen wir das 20h Rennen in Fell an, da wir es 2010 für uns Entscheiden konnten.

Verspätet angekommen, gab es auch schon die ersten Probleme: Wir hatten zu wenig eingekauft. Kurz entschlossen machten wir uns mit dem Rad auf den Weg und kauften in einem Nachbarort in einem Geschäft das Nötigste ein und konnten mit etwas mehr Zuversicht an den Start gehen. Wir beschlossen die selbe Taktik wie 2010 zu fahren, nämlich alle 2 Runden konsequent zu wechseln. Ich fuhr wieder die Startrunde. Zwei Zweierteams schätzte ich als Gegner ein, wobei sich schnell zeigte, nur mi einem Team hatten wir hart zu kämpfen. Es ging direkt in die Nacht hinein und das besagte Team führte. Sie wechselten allerdings nach jeder Runde, was uns Hoffnung gab, dass sie einbrechen würden. Gegen Morgen passierte es dann auch. Einer der zwei Fahrer war ziemlich am Ende. Ich hatte das Vergnügen, ihn nach dieser harten Nacht zu überholen und hörte nur ein: „Oh nein“. Wir konnten unseren Vorsprung weiter ausbauen und siegten am Ende dann auch noch mit einer Runde Vorsprung. Es gab als Preis wie gewohnt eine Flasche Sekt XXL und einen Pokal, dazu noch ein Sieger T-Shirt. Jetzt galt es nur noch: Ab ins Bett, aber schnell! Ich wünsche mir, nächstes Jahr wieder an diesem herrlichen 20h-Rennen teilzunehmen, da es eine super interessante, harte, aber auch spaßige Veranstaltung ist.

Ergebnis 2er-Männer:

1. RSC Mayen – Team Poisonbikes 31 Runden – 19:40:47 Std.

2. RC Adler Köln 1921 e.V. 30 Runden – 19:29:44 Std.

3. Südschweden Racing Team 28 Runden – 19:52:57 Std.

Martin Reis

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