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Tilff-Bastogne-Tilff 2011

12.06.2011: Jedermann-Version des Klassikers Lüttich-Bastogne-Lüttich

Bei Tilff – Bastogne – Tilff handelt es sich um eine Jedermannversion des belgischen Radklassikers Lüttich – Bastogne – Lüttich. „La Doyenne“ (franz. „Die Älteste“), wie dieses älteste noch ausgetragene Radrennen der Welt (erstmals 1892) auch genannt wird, gilt in Profikreisen als topografisch schwerstes Eintagesrennen im Protour-Kalender. Doch soviel sei schon mal vorweggenommen, für diese Jedermannversion gilt dies nicht. Zwar sind 246 km und über 3000 Höhenmeter auch nicht gerade einfach, aber es gibt deutlich schwerere Veranstaltungen (z.B. Fleche de Wallonie). Trotzdem oder gerade deswegen zieht es jedes Jahr an Pfingsten tausende Hobbyfahrer (dieses Jahr knapp 8000) aus aller Herren Länder nach Belgien. Ich hatte die Veranstaltung auch schon lange auf dem Schirm, ohne sie bislang gefahren zu sein. Ursprünglich wollte ich am Pfingstwochenende nach Frankreich zum Marathon „Trois Ballons“ in die Vogesen und dies mit 2 weiteren Tagen im Schwarzwald kombinieren. Die schlechte Wettervorhersage für diese Region ließ mich von diesem Vorhaben ablassen. 11tilff1Da alle potenziellen Mitfahrer anderweitig beschäftigt waren (z.B. hier), machte ich mich alleine auf nach Lüttich, Mitfahrer vor Ort sollte es ja genug geben.

Im von der Schwerindustrie geprägten Lüttich angekommen, musste ich mich erst einmal an anderen mit Rädern beladenen Autos orientieren, da die vorgefundenen Verhältnisse nicht Recht auf die Anfahrtsbeschreibung passen wollten. Schon am Start im nahen Tilff wurden die gigantischen Ausmaße der Veranstaltung deutlich. In einem nicht enden wollenden Fluss reihten sich startende Fahrer aneinander. Auch ich fügte mich ein und rollte bergab in Richtung offiziellem Start der in einem Ort nach ca. 5 km Abfahrt lag. Just auf dieser Abfahrt machte ich zur Einstimmung schon mal Bekanntschaft mit den „berühmten“ belgischen Schlaglöchern, wodurch ich eine Trinkflasche verlor. Wieder eingesammelt kam sie mir bei den ersten Trinkversuchen ziemlich leicht vor. Offenbar war sie so unglücklich aufgekommen, dass genau am Flaschenboden ein kleines Loch aufgerissen war. Glücklicherweise war es nicht sonderlich heiß und eine Flasche sollte genügen. Als es dann richtig los ging, hat mir die Veranstaltung über die gesamte Strecke richtig Spaß gemacht. Man fuhr durch eine tolle Landschaft, hatte überall Mitfahrgelegenheiten in schnellen Gruppen, konnte tolle Verpflegung genießen und spürte immer etwas von der Atmosphäre des großen Radklassikers. Dies wurde besonders durch das Sprachengewirr, dem man unterwegs lauschen konnte, deutlich unterstrichen. Ein Engländer brachte es dann auf den Punkt, als wir eine schöne Abfahrt hinabfuhren, eine Kopfsteinpflasterbrücke passierten und auf der anderen Seite uns in einen ardennentypischen steilen Gegenanstieg warfen. Sein lapidarer begeisterter Kommentar: „Oh man, THIS is cycling!“

Ich sprang während des ganzen Tages von Gruppe zu Gruppe. Wenn ich eine mit dem passenden Tempo gefunden hatte, fuhr ich mit ihr bis zur nächsten Verpflegung. Dort verlor man sich angesichts der schieren Massen schnell aus den Augen. Aber egal, einfach wieder losrollen, wenig später würde sich schon die nächste Gruppe ergeben, und so war es. Dadurch wurde das Tempo natürlich auch höher, als man es hätte allein oder in einer kleine Gruppe hätte fahren können. Trotzdem war es nicht zu hart. Es seien noch kurz ein paar Streckendetails angemerkt: Die ersten 20 km verliefen flach, bis es plötzlich scharf rechts abging. Aufgrund des hastigen Schaltens aller Mitfahrer war mir klar, der erste Anstieg stand unmittelbar bevor. Rein von den technischen Daten her gesehen handelte es sich bei der Côte de Chambralles auch um den schwierigsten mit 9,5 % Durchschnitt und 20 % Maximum. Danach ging es wellig, aber ohne richtige Rampen vorbei an 2 Verpflegungen weiter Richtung Süden zum Wendepunkt nach Bastogne. Hier, in unmittelbarer Nähe eines Denkmals für Lüttich-Bastogne-Lüttich, war Verpflegungs- und Wendepunkt.

Von jetzt an ging’s zurück nach Norden, wenngleich auch etwas weniger gradlinig als beim Hinweg, schließlich waren erst 103 von 246 km absolviert. Mit dieser Kehrtwende wurde auch die Streckenführung allmählich schwerer und es standen weitere Anstiege auf dem Programm. Mit der Côte de Wanne begannen dann auch die berühmteren Berge, die man auch aus dem Profirennen kennt. Es folgten unter anderem die bis 21 % steile Côte du Amermont und der verhältnismäßig lange Col du Rosier. An ersterer überraschten einige Damen des Sponsors Red Bull am Hochpunkt die Fahrer mit Musik und einer kühlen Dose des Erfrischungsgetränks bei einer nicht angekündigten Verpflegung. Leider war die legendäre Côte de la Redoute entgegen früherer Austragungen nicht im Streckenverlauf. Hoffentlich nur eine Momentaufnahme. Fazit: Tilff-Bastogne-Tilff ist eine tolle Veranstaltung, die mir richtig Spaß gemacht hat. Wer mehr die Abgeschiedenheit und Ruhe vorzieht, wird sich nicht so wohl fühlen. Allen anderen aber sei die Veranstaltung empfohlen (es werden neben der 246er auch 147 km und 87 km lange Strecken angeboten). Ich werde definitiv wiederkommen.

Martin Reis

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